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Abstract

Entwicklung und Aufbau einer auf Reflexion und Diskurs basierenden Qualitätskultur in Organisationen der Sozialen Arbeit anhand von Schlüsselsituationen

Projektziele und Definitionen relevanter Begrifflichkeiten

Das Projekt hat das Ziel, ein Vorgehen zu entwickeln, mit dem die Qualität Sozialer Arbeit im Kontext von Organisationen gefördert werden kann. Dies geschieht, indem eine Kultur des reflexiven Lernens und ein Diskurs um verschiedene Wissensquellen, Werte und Qualität innerhalb von Organisationen und über Organisationen hinweg stattfindet. Die Qualitätsentwicklung wird als kontinuierliche Verbesserung der eigenen Professionalität verstanden. Professionelles Handeln wird dabei in der neueren Diskussion vor allem als Fähigkeit gefasst, wissenschaftlich fundiert sowie werte- und wissensorientiert in einer komplexen, von Heterogenität geprägten Praxis und unter Unsicherheit lösungsorientiert handeln zu können (Heiner 2004).  Die Wissensbasierung des Handelns bedingt, dass Theorie und Praxis in ein Passungsverhältnis gebracht werden müssen. In der neueren Literatur spricht man von "Relationierung" von Theorie und Praxis, da der Weg vom Transfer von Wissen so linear, wie der Begriff glauben machen will, nicht möglich ist . Die beiden Systeme Wissenschaft (Disziplin) und Praxis (Profession) folgen jeweils eigenen Gesetzmässigkeiten und Zielen.

Als zweiter Aspekt, den es bei dem Begriff der Professionalität zu berücksichtigen gilt, ist das enorme Wissen, das sich innerhalb der Sozialen Arbeit als wissenschaftlicher Disziplin und Profession in den letzten Jahrzehnten angesammelt hat, zu nennen. Dabei fehlen weitgehend Instrumente diese Wissensbestände zusammen zu führen (Sommerfeld 2014) und so der professional bzw. scientific community nutzbar zu machen.

Das Reflexionsmodell "Arbeit mit Schlüsselsituationen"

Das Modell Schlüsselsituationen bietet für beide Herausforderungen, für die Relationierung und das Wissensmanagement sowohl fachlich, wie methodisch, als auch technisch eine innovative Lösung. Es handelt sich dabei um ein Modell, das auf der empirischen Generierung von ca 130, von Professionellen aus Praxis und Hochschule als typisch für die SA erachteten Situationen, sogenannten Schlüsselsituationen, basiert (Kunz 2015).

«Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit sind jene Situationen des professionellen Handelns, die durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit als typisch und im professionellen Geschehen wiederkehrend beschrieben werden. Schlüsselsituationen zeichnen sich einerseits durch generalisierbare und verallgemeinerbare Merkmale aus, die für eine gelingende Professionalität als bedeutsam erachtet werden, andererseits werden die erlebten Situationen in ihrer spezifischen Ausprägung beschrieben" (Tov, Kunz, Stämpfli, 2016).

Die beschriebenen Situationen, die alle eine professionelle Herausforderung beinhalten, die gestaltet werden muss, werden anschliessend in kleinen Gruppen, in sog. Communities of Practice (CoPs) mit Hilfe eines 8-stufigen Bearbeitungsverfahrens reflektiert und diskursiv erörtert.

Der für das Wissensmanagement bedeutsamste Schritt ist derjenige der Ressourcenfindung. Bei diesem Schritt werden diverse Formen von Wissen, wie theoretisches, wertemässiges und erfahrungsbasiertes Wissen, situationsbezogen zusammengetragen und auf die konkrete Situation heruntergebrochen.

Im engeren Sinn des Wortes um Qualität geht es dann im nächsten Bearbeitungsschritt darum, die für die spezifische Situation adäquaten Qualitätsstandards zu formulieren. Diese sind ein Aushandlungsprodukt innerhalb der CoPs und müssen die Fragen beantworten können, woran sich die Professionalität in der Gestaltung der beschriebenen Situation messen lassen soll. Oder anders ausgedrückt: Sofern alle genannten Standards erfüllt sind, gilt die Situation als professionell gehandhabt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine ebenso guten oder besseren Handlungsalternativen gäbe.

Diese werden ebenfalls erhoben und in ihrer Handhabung hypothetisch dargestellt. Das Vorgehen führt zu einer Perspektivenerweiterung bei den Bearbeitenden, was ebenfalls eine Kompetenz des professionellen Handelns darstellt.

Der ganze Prozess geschieht so nah wie möglich an der Realität, da via Rollenspiel die tatsächlich erlebte Situation, auch für nicht real Beteiligte lebendig und echt wird. Andererseits erlaubt das Nachspielen, dass die impliziten Impulse, die in der Situation mit handlungsleitend waren, bewusst werden können.

Theoretisch ist dem Modell die Annahme zu Grunde gelegt, dass primär situativ verankertes Wissen handlungsleitend wird und gegenüber anderen Wissensarten dominant ist (Lave & Wenger 1991). Situativ bedeutet dabei an konkrete Situationen gebunden. Der Mensch und damit auch der Professionelle lässt sich assoziativ, durch Analogieschlüsse von seinen erinnerten Situationen (un-)bewusst leiten (Kaiser 2005). Eine dergestalt bearbeitete Schlüsselsituation dient als Ankerbeispiel für die nächste ähnlich gelagerte Situation.

Die Unterscheidung zwischen situativen strukturellen Ähnlichkeiten von bestimmten Situationen und der gleichzeitigen Einmaligkeit des individuellen Geschehens bildet sich in der begrifflichen Unterscheidung von allgemeinen und spezifischen Anteilen von Schlüsselsituationen ab.

Eine solche Sammlung von erarbeiteten Schlüsselsituationen in der Organisation kann als Nachschlagewerk dienen, da das generierte und dokumentierte Wissen der Organisation zur Verfügung steht. Das Wissen kann jedoch nicht rezepthaft abgeholt und ein quasi "richtiges" Vorgehen daraus abgeleitet werden - zentral bleibt das immer wieder kehrende situative Anpassen von Wissen auf die jeweilige spezifische Situation.

Das Diskursmodell "Arbeit mit Schlüsselsituationen"

Die Rückseite der Medaille Reflexionsmodell Schlüsselsituationen ist der Diskurs. Dieser wird synchron und asynchron auf einer Online Plattform geführt. Die Plattform hat nicht nur den Vorteil, dass die Bearbeitung der Situationen nach individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten erfolgen kann; sie stellt gleichzeitig ein Instrument zur Dokumentation und Verwertung von Wissen dar. Drittens erlaubt die Plattform die ständige Anpassung an die sich verändernden Gegebenheiten einer Institution.

Qualitätssicherungsverfahren in Organisationen der Sozialen Arbeit

In der Realität müssen sich Organsiationen im Sozialbereich oft mit professionsfremden Massstäben messen lassen. Qualitätssicherungs- bzw. managementsysteme wie ISO oder EFQM stammen aus wettbewerbs- und profitorientierten Wirschaftsunternehmen. Auch wenn sie für die Verwendung im sozialen i.d.R. Non-profit Bereich modifiziert und angepasst wurden, bleiben Logik, Bedeutung und Methodik artfremd.

Das Modell Schlüsselsituationen hat das Potential als internes Qualitätsentwicklungsverfahren wirksam zu werden. Es ist aus der Profession heraus, in einem kooperativen Forschungsprozess mit Hochschule und Praxis entwickelt worden, ist theoretisch breit abgestützt und mit Hunderten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Aus- und Weiterbildung erprobt. Es wird bereits auch international in Hochschulen und Organisationen der SA zur Förderung der individuellen und kollektiven Professionalität eingesetzt und geniesst einen sehr guten Ruf.

Das Modell ist mit bereits bestehenden, institutionell verankerten Verfahren zur Qualitätssicherung kompatibel und stellt eine ideale Ergänzung zu Modellen der professionellen Prozessgestaltung, wie bspw. das kooperative Prozessgestaltungsmodell (KPG) dar. Letzteres gibt Antwort auf die Frage wie ein Prozess professionell gestaltet werden soll und das Modell der Schlüsselsituationen stellt das, worum es in dem Prozess geht, die konkreten Situationen der Sozialen Arbeit, die bewältigt und gestaltet werden müssen, ins Zentrum. Ausserdem beantwortet es die Frage nach der Güte der Prozessgestaltung. Für einen Vergleich bzw. die Darstellung der Anschlussfähigkeit von bestehenden Verfahren zur Qualitätssicherung und dem Modell Schlüsselsituationen siehe die folgende Unterseite.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Publikationen zu verschiedenen Aspekten des Modells. 

Erwartete Produkte und Entwicklungsprozess

Im Rahmen des geplanten Projektes sollen zwei Prototypen der internen Qualitätsentwicklung für Organisationen der Sozialen Arbeit entwickelt werden. Der erste stellt ein System bzw. Verfahren dar, wie mit dem Modell Schlüsselsituationen innerhalb einer Organisationseinheit gearbeitet werden kann. Der zweite geht darüber hinaus und beschreibt die idealerweise vorzunehmenden strukturellen Voraussetzungen und Veränderungen, die eine Organisation bzw. eine Organisationseinheit umsetzen muss, um eine entsprechende Qualitätskultur von reflexiv-lernender Organisation einzuführen und nachhaltig zu verankernDies soll in einem weiteren Projektschritt zu einem Label für lernende Organisationen ausgebaut werden.

Exemplarisch geschieht die Entwicklung dieser Prototypen in Institutionen eines spezifischen Arbeitsfeldes, was eine thematische Fokussierung und Maximierung von Sichtweisen und Erfahrungen zu einem bestimmten Fachgebiet erlaubt und gleichzeitig den Vergleich über die diversen UmsetzungspartnerInnen hinweg ermöglicht. Der Prozess erfolgt forschungsbasiert, indem neben theoretischen Studien der relevanten Fachliteratur, die Hauptphasen des Projektes jeweils formativ evaluiert und die Erkenntnisse in den fortlaufenden Entwicklungsprozess rückgespeist werden. Nach der Implementierung des Qualitätsverfahrens erfolgt im Rahmen eines Follow ups eine abschliessende summative Evaluation.

Effekte der Arbeit mit Schlüsselsituationen

Neben den oben genannten Zielen und angestrebten Produkten, entfaltet die Beschäftigung mit dem Modell Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit ihre Wirkung auf verschiedenen Ebenen. Drei zentrale Aspekte, die Sie auf dieser Unterseite finden, stellen den Nutzen ins Zentrum.

Literatur

Heiner, Maja (2004). Professionalität in der Sozialen Arbeit. Theoretische Konzepte, Modelle und empirische Perspektiven. Stuttgart: Kohlhammer.

Kaiser, Hansruedi (2005). Wirksames Wissen aufbauen. Ein integrierendes Modell des Lernens. Bern: hep.

Kunz, Regula (2015). Wissen und Handeln in Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit: Empirische und theoretische Grundlegung eines neuen kasuistischen Ansatzes. PhD Thesis, University of Basel, Faculty of humanities. edoc.unibas.ch/diss/DissB_11375 (Abruf: 12.06.2017)

Lave/Wenger (1991). Situated Learning Legitimate peripheral participation. Cambridge: Cambridge University Press.

Sommerfeld Peter (2014). Kooperation als Modus der Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis am Beispiel der Sozialen Arbeit. In: Unterkofler, U./Oestreicher, E. (Hrsg.): Theorie-Praxis-Bezüge in professionellen Feldern. Wissensentwicklung und -verwendung als Herausforderung. Opladen: Budrich UniPress, S. 133–155.

Tov, Eva, Kunz, Regula & Stämpfli, Adi (2016). Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit. Professionalität durch Wissen, Refelexion und Diskurs in Communities of Practice (2. überarbeitete Auflage). Bern: hep verlag ag

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