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Reziprokes Lehren: Unterschied zwischen den Versionen

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Verständnisfördernde und –prüfende Methode mit kollaborativem Lehransatz, entwickelt von Palincsar und Brown (1984). Dabei übernehmen Lernende zeitweise die Rolle der Lehrperson. Der Rollenwechsel findet in Kleingruppen von vier bis sechs Lernenden statt. Die Methode beinhaltet vier Strategien, welche in der Gruppe geübt bzw. angewendet werden.
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==Definition nach Hattie==
Die vier Strategien, welche jeweils nach dem Lesen eines Textabschnittes Anwendung finden, sind: 
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Unterrichtsprozess, bei welchem Lernenden kognitive Strategien beigebracht werden, die zu verbesserten Lern-Outcomes führen können (ursprünglich im Bereich Leseverständnis). Die Betonung liegt darauf, dass Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, zu lernen und dabei kognitive Strategien (wie Zusammenfassen, Fragen stellen, Klären und Voraussagen) zu verwenden. Diese Strategien werden „unterstützt durch den Dialog zwischen der Lehrperson und den Lernenden, während sie versuchen, den Sinn eines Textes zu verstehen“<ref>Rosenshine, B., & Meister, C. (1994, S.479). Reciprocal teaching: A review of the research. Review of Educational
*„Zusammenfassen“ des Textabschnittes in eigenen Worten, wobei der Fokus auf den Kernaussagen liegen soll.  
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Research, 64(4), 479–530.</ref>. Jede bzw. jeder Lernende ist einmal an der Reihe, die „Lehrperson“ zu sein. Oft lösen sich Lehrpersonen und Lernende beim Führen eines Dialogs über die Abschnitte eines Texts ab. Lernende prüfen ihr eigenes Verständnis des Materials, indem sie Fragen stellen und zusammenfassen. Der Aufbau von Lerngerüsten durch Experten ist entscheidend für die kognitive Entwicklung, da Lernende sich nach wiederholtem Modelllernen von Zuschauern in Akteure verwandeln. Das Ziel ist daher, den Lernenden zu helfen, dem geschriebenen Wort aktiv Bedeutung zuzuschreiben, und sie dabei zu unterstützen, ihr eigenes Lernen und Denken zu kontrollieren.
* „Fragen“ zum Textabschnitt werden formuliert, um das Verständnis zu überprüfen. Die unterschiedlichen Antworten werden in der Gruppe besprochen.
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* „Klären“ der Bedeutung von Wörtern und Textpassagen, welche nicht verstanden wurden (z.B. durch das Heranziehen von Hilfsmitteln, wie Lexika). 
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*„Vorhersagen“ was im nächsten Textabschnitt passieren könnte.<br><br>
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Moderiert werden die Strategien durch eine Lernende oder einen Lernenden, welche bzw. welcher für jeweils einen Abschnitt in die Rolle der Lehrperson wechselt und die vier Strategien anwendet.<br> Damit sich Lernende diese Strategien aneignen können und ein selbstgesteuertes Lernen möglich wird, bedarf es einer intensiven Einführung der Methode bzw. der Strategien und einer sogenannten Experten-Unterstützung durch das Umfeld (Lehrperson und erfahrenere Lernende).
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==Angaben aus den Büchern von John Hattie==
 
==Angaben aus den Büchern von John Hattie==
 
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===Englischer Originalbegriff===
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Reciprocal teaching
 
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===Effektstärken in Bezug auf Schülerleistungen===
 
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[[Hattie (2009)]], S. 297: d=0.74, Rang 9 von 138
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[[Hattie (2013)]], S. 240: d=0,74; Rang 09 von 138<br>
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[[Hattie (2012)]], S. 251: d=0,74; Rang 11 von 150
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===Quellen===
== Quellen ==
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* Hattie, John A. C. (2013, S. 240ff): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von "Visible learning", besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
*Scharnhorst, Ursula (n.d.): Reziprokes Lernen. Abgerufen am 25.07.2012 unter
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http://www.pfm.ehb-schweiz1.ch/fileadmin/Schienen/CAS_PFM_3_BL/11_03_24/RL-Text.pdf (A)
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== Weiterführende Literatur ==
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*Demmrich, Anke/Brunstein, Joachim C.(2004): Förderung sinnverstehenden Lesens durch „Reziprokes Lehren“. In: Lauth, Gerhard W./Grünke, Matthias /Brunstein, Joachim C. (Hrsg.): Interventionen bei Lernstörungen, Förderung, Training und Therapie in der Praxis. Göttingen: Hogrefe Verlag für Psychologie. S. 279-290. (A)
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*König, Philip (2009): Förderung der Lesekompetenz durch kooperative und selbstgesteuerte Lernformen. Hamburg: Igel Verlag. S. 76-88 (S/A)
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*Palincsar, Annemarie S./Brown, Ann L. (1984): Reciprocal teaching of comprehension-fostering and comprehension-monitoring activities. Cognition and Instruction, 1, 2, S. 117 – 175. (S)
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[[Kategorie: Faktoren]]
 
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[[Kategorie: Domäne - Unterrichten]]
 
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Version vom 5. August 2013, 15:18 Uhr

vorläufige Version

Definition nach Hattie

Unterrichtsprozess, bei welchem Lernenden kognitive Strategien beigebracht werden, die zu verbesserten Lern-Outcomes führen können (ursprünglich im Bereich Leseverständnis). Die Betonung liegt darauf, dass Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, zu lernen und dabei kognitive Strategien (wie Zusammenfassen, Fragen stellen, Klären und Voraussagen) zu verwenden. Diese Strategien werden „unterstützt durch den Dialog zwischen der Lehrperson und den Lernenden, während sie versuchen, den Sinn eines Textes zu verstehen“[1]. Jede bzw. jeder Lernende ist einmal an der Reihe, die „Lehrperson“ zu sein. Oft lösen sich Lehrpersonen und Lernende beim Führen eines Dialogs über die Abschnitte eines Texts ab. Lernende prüfen ihr eigenes Verständnis des Materials, indem sie Fragen stellen und zusammenfassen. Der Aufbau von Lerngerüsten durch Experten ist entscheidend für die kognitive Entwicklung, da Lernende sich nach wiederholtem Modelllernen von Zuschauern in Akteure verwandeln. Das Ziel ist daher, den Lernenden zu helfen, dem geschriebenen Wort aktiv Bedeutung zuzuschreiben, und sie dabei zu unterstützen, ihr eigenes Lernen und Denken zu kontrollieren.

Angaben aus den Büchern von John Hattie

Englischer Originalbegriff

Reciprocal teaching

Effektstärken in Bezug auf Schülerleistungen

Hattie (2013), S. 240: d=0,74; Rang 09 von 138
Hattie (2012), S. 251: d=0,74; Rang 11 von 150

Quellen

  • Hattie, John A. C. (2013, S. 240ff): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von "Visible learning", besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.


  1. Rosenshine, B., & Meister, C. (1994, S.479). Reciprocal teaching: A review of the research. Review of Educational Research, 64(4), 479–530.