Energie & Umwelt

Working Bicycle: Werbung auf der Velospur

Die beiden FHNW-Absolventen Luca und Patrick Tschudi haben zusammen mit Freunden eine Online-Plattform gegründet, bei der Firmen Werbung auf Fahrrädern buchen können. Mit ihrer Idee sind sie bereits in sieben Schweizer Städten präsent.

Die Werbung fällt auf: Auf dem Gepäckträger eines Velos sitzt eine Box mit leuchtgelber Beschriftung. «Klimaschutz vorantreiben?», steht auf der einen Seite, «Studiere Energie- und Umwelttechnik», auf der anderen. Es ist die Werbekampagne der Hochschule für Technik FHNW. Gebucht auf Working Bicycle, einer Online-Plattform, wo Unternehmen und Organisationen Werbung auf Velos buchen können. Für ihre aussergewöhnliche Idee gewannen Jérôme Huber, Luca und Patrick Tschudi die Swiss Startup Challenge 2018.

Private Velofahrerinnen und Velofahrer stellen ihr Fahrrad für eine Werbung zur Verfügung und erhalten dafür eine Entschädigung. Dazu müssen sie eine gewisse Anzahl Kilometer pro Woche radeln. So verteilt sich die Werbung gut sichtbar über die ganze Stadt. Die Fahrerinnen und Fahrer scannen mit ihrem Smartphone zu Beginn und am Schluss einer Fahrt den QR-Code auf der Box. Über die eigens entwickelte App werden die Informationen an “Working Bicycle” weitergeleitet. So werden die Fahrwege während einer Kampagne auf einer sogenannten “Heatmap” aufgezeichnet.

Die Heatmap der FHNW-Kampagne in Basel (Quelle: Working Bicycle).

Die Fahrerinnen und Fahrer können selber entscheiden, ob sie für eine Kampagne in die Pedalen treten wollen oder nicht. “Für alles würde ich nicht Werbung machen”, sagt Aline Etter, die zum zweiten Mal bei Working Bicycle mitmacht, “aber Bildung und die Umwelt ist mir wichtig, darum mach ich gerne mit”. 6710 Kilometer haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in zwei Wochen zurückgelegt.


“Als Startup kommt es täglich vor, dass Dinge nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt”

Mit seinem Bruder Luca hat Patrick Tschudi Betriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft FHNW studiert. Im Interview erzählt er, wie es zu Working Bicycle kam und wohin das Startup in Zukunft radelt.

FHNW-Absolvent Patrick Tschudi ist einer der Gründer von Working Bicycle (Foto: zvg)

Was ist die Geschäftsidee hinter Working Bicycle?

Working Bicycle bietet ein neues Werbemedium im öffentlichen Raum an. Registrierte Velofahrerinnen und Velofahrer erhalten eine praktische Werbebox, die genügend Stauraum bietet und auf allen Seiten mit individuellen Werbebotschaften von Kunden ausgestattet wird. Das werbende Unternehmen kann unsere Flächen zur Erhöhung der Reichweite und somit zur Platzierung von Werbebotschaften nutzen. Der aktuelle Fahrerbestand liegt bei 3’500 Velofahrerinnen und Velofahrern in sieben Städten. Insgesamt können momentan also 17’500 Werbeflächen gebucht werden.

Wer fährt ein Fahrrad mit einer Working Bicycle Kampagne?

Von jung bis alt haben wir praktisch alles dabei. Zu Beginn waren es primär Studierende (18-27-Jährige). Im Verlauf der Expansion hat sich die Mischung jedoch ausgeglichen und wir haben nun auch viele Berufstätige, die täglich für uns mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Grundsätzlich waren alle Gründer schon immer unternehmerisch angehaucht. Wir haben oftmals über neue Geschäftsmodelle philosophiert. Im Januar 2017 kam dann Luca auf die Idee, dass auch das Fahrrad als Werbemittel eingesetzt werden könnte. Ziemlich schnell realisierten wir dann, dass damit sehr viele Personen erreicht werden und bei Unternehmen wie auch bei Velofahrern ein grosses Interesse vorhanden war.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung eurer Idee?

Trotz Rückschlägen immer am Ball zu bleiben. Als Startup kommt es täglich vor, dass Dinge nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt. Dann gilt es, den Fokus nicht zu verlieren und an die Vision und das Unternehmen zu glauben. Die Suche nach passenden Lieferanten, richtigen Mitarbeitenden und guten Partnern braucht Zeit – da gilt es Geduld zu haben – es lohnt sich.

Wie hat euch das Studium an der FHNW auf die Selbständigkeit vorbereitet?

Das Studium hat uns geholfen, wirtschaftlich zu denken. Übergreifendes und vernetztes Denken sind Grundvoraussetzung für die Bewältigung der anspruchsvollen Aufgaben im Berufsalltag. Trotzdem sind wir der Meinung, dass kein Studium dich auf das Unternehmertum vollständig vorbereitet. Wir denken eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis führt zu optimalen Ergebnissen.

Was plant ihr für die Zukunft?

Wir planen weiterhin zu expandieren und gemeinsam mit Kunden neue Städte und noch mehr Velofahrende für uns zu gewinnen. Neue Produkte und Dienstleistungen werden in Workshops geprüft und je nach Realisierbarkeit und Innovation aktiv umgesetzt. Wir wollen mit Working Bicycle zu einer marktrelevanten Grösse im Bereich OOH (Out-Of-Home) heranwachsen und ein rentables KMU werden.

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