Wie kann modernste Technik eine Hypothekarberatung unterstützen, ohne dabei das Gespräch zu stören? Ein Forschungsprojekt an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW untersucht die Möglichkeiten einer interaktiven Tischprojektion.

Eine Hypothekar- Beratung bei einer Bank ist meist eine eher trockene Angelegenheit. Nicht so, wenn die beiden Informatikerinnen  Jasmine Lienhard und Olivia Joss das Szenario durchspielen: Auf einmal erscheinen im Kaffee leuchtende Punkte, die Visitenkarte verrät interaktiv zusätzliche Informationen und der Tisch wird zur Landkarte.

Transparente Beratungsgespräche gestalten

Die beiden iCompetence-Absolventinnen haben ihre Bachelor-Arbeit im Rahmen von «Live Paper» umgesetzt. «Live Paper» ist ein innovatives Projekt der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Auftrag der Hypothekarbank Lenzburg HBL. Die lokal verankerte Bank aus dem Aargau will ihre Beratungsgespräche mit den neusten Möglichkeiten der Technik ergänzen. Gewöhnlich berät eine Spezialistin oder ein Spezialist der HBL die Kunden mithilfe von Papier und Stift. In den letzten Jahren sind Monitore und Tablets dazugekommen. Diese sind nützlich, um schnell Berechnungen anzustellen und Fakten zu präsentieren. Für die Kommunikation zwischen Kunde und Beratungsperson sind die technischen Hilfsmittel aber oft hinderlich. «Tablets, Handys oder Monitore stören die Interaktion zwischen zwei Menschen», sagt Professor Doris Agotai. Die Projektleiterin stützt sich dabei auf die Erkenntnisse des Psychologischen Instituts der Uni Zürich, mit dem das Forschungsteam zusammenarbeitet. «Erfolgreiche Vertrauensbildung erfordert ein direktes Gespräch zwischen den Akteuren», sagt Doris Agotai und macht ein Beispiel: Eine Berechnung wird oft hinter einem Monitor vollzogen und ist für den Kunden nicht nachvollziehbar. Mit «Live Paper» sollen Zinssätze, Renditen oder Grenzsteuersätze transparent vor den Augen des Kunden kalkuliert werden.

Traditionelle Medien werden digital erweitert

Das Forschungsteam setzt auf eine Mischung von Augmented-Reality mit 4K-Projektion und präziser Objekt-Erkennung. Legt Jasmine Lienhard beispielsweise eine Visitenkarte auf den Tisch, wird diese von einem Sensor erkannt. Ein Beamer projiziert neben der Visitenkarte Buttons mit Optionen wie  Lebenslauf, Ausbildung oder Hobbies auf den Tisch. Durch Antippen kann Olivia Joss die zusätzlichen Informationen anschauen. Formulare werden bei «Live Paper» als blanke A4-Papierbögen mit QR-Code auf den Tisch gelegt. Der Inhalt wird auf das Papier projiziert und kann dynamisch angepasst werden. Eine andere Anwendung ist eine interaktive Karte, in der mögliche Immobilien gleich mit Satellitenbild eingeblendet werden. Das Forschungsteam experimentiert mit verschiedenen Technologien: Für das Objekt-Tracking kommt ein Ubi-Sensor oder ein Kinect zum Einsatz. Auf Software-Ebene arbeiten die Forscherinnen und Forscher mit Metaio und Unity 3D.

Der Mensch steht im Vordergrund

«Mit Live Paper erweitern wir die Möglichkeiten des traditionellen Beratungsgesprächs», sagt Professor Doris Agotai, «der Tisch wird zu einem riesigen Tablet-Computer, ohne störend zu wirken.» Nicht die Technologie und das Eingeben der Daten steht im Vordergrund sondern die menschliche Interaktion. «Calm Technology» ist der Begriff für diese Art von unsichtbarer Technik, die im Hintergrund dem Menschen hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dabei sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen: «Wir entwickeln ein neues User Interface, das auf die Tracking-Sensoren optimiert ist», sagt Doris Agotai. Eine Bachelor-Arbeit experimentierte mit Spracheingabe auf Schweizerdeutsch.

Auch in einem anderen Umfeld einsetzbar

«Live Paper» hat laut Doris Agotai auch ausserhalb des Bankensektors Potential: «Ich kann mir eine ähnliche Technologie beispielsweise in einem Labor vorstellen, wo Hygiene ein wichtiger Faktor ist.» Statt die Dateneingabe auf einem Laptop oder einem Tablet zu machen, könnte das User Interface auf einen Tisch oder an eine Wand projiziert werden. So müsste keine Hardware gereinigt werden. Vorerst soll «Live Paper» aber für interaktive und transparente Beratungsgespräche zum Einsatz kommen.

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«Live Paper»: Wer ist beteiligt?

Das Projekt «Live Paper: Research on Interactive Tabletop Projection» wird von der Kommission für Technologie und Innovation des Bundes KTI unterstützt. Auftraggeber ist die Hypothekarbank Lenzburg HBL. Das Projekt wird von Forschenden des Instituts für Interactive Technologies der Hochschule für Technik FHNW umgesetzt. Studierende der Informatik-Profilierung iCompetence realisieren im Zusammenhang mit «Live Paper» ihre Bachelor-Thesis.

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