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«Über die Praxis zu den Grundlagen»

Mario Weder vor dem Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich.

Von der Lehre zur Dissertation: Nach dem Fachhochschul-Diplom entschied sich Mario Weder an die ETH zu gehen. Vor kurzem hat er dort promoviert. Im Interview erklärt der 38-jährige, warum er sich für den ungewöhnlichen Bildungsweg entschieden hat.

Mario Weder vor dem Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich.
Mario Weder vor dem Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich.

Herr Weder, Sie haben nach Ihrem Fachhochschul-Studium den Master und das Doktorat an der ETH gemacht. War die Fachhochschule zu einfach für Sie?

Nein, überhaupt nicht! Die Zeit in Windisch war für mich fordernd, lehrreich und sehr prägend. Die erworbenen Fähigkeiten konnte ich zuerst als Assistent an der FH und nachher in der Forschungsabteilung einer Messtechnikfirma sofort anwenden. In dieser Zeit stellte ich fest, dass ich den Problemen noch tiefer auf den Grund gehen und dazu die theoretischen Grundlagen ausbauen will. Das nährte die Motivation mich nach fünf Arbeitsjahren als Ingenieur in den Maschinenbau-Master der ETH einzuschreiben.

War der Eintritt in die ETH mit einem FH-Diplom schwierig?

Als Auflage zum Masterstudium musste ich zehn Module aus dem ETH-Bachelor-Studium nachholen. Das war aber kein Problem, da ich von der Fachhochschule bereits ein gutes Fundament mitbringen konnte. Diese Durchlässigkeit des Bildungssystems ist sehr wichtig und hebt die Schweiz von vielen anderen Ländern ab.

Warum haben Sie nicht das Gymnasium besucht und sind dann direkt an die ETH gegangen? Lehre und Fachhochschule scheinen ein Umweg zu sein.

Ich war ein einseitiger Schüler: Schwach in den Sprachen, gut in den Naturwissenschaften. Das «Gymi» war darum für mich keine Option. In der Lehre zum Maschinenmechaniker und an der FH konnte ich meine Fähigkeiten besser entfalten: Ich konnte ein Handwerk lernen und in der Praxis anwenden. Die Praxiserfahrungen aus der Industrie waren für mich eine wesentliche Motivation zum Erlernen der theoretischen Grundlagen. Daher sehe ich es als Alternative und nicht als Umweg.

Wie unterschiedet sich das Studium an der ETH von jenem an der FH?

Der Unterschied besteht weniger im Niveau als vielmehr bei der Herangehensweise: An der FH stehen die praktische Ausrichtung sowie die Berufsbefähigung im Vordergrund. Die Dozierenden kommen mehrheitlich aus der Industrie und wissen, welche Kompetenzen in der Wirtschaft verlangt werden. An der ETH hingegen ist der Zugang wesentlich analytischer und die Ausbildung richtet sich nach den Bedürfnissen der Grundlagenforschung. Für mich stand immer eine konkrete Problemstellung aus der Anwendung im Vordergrund, die mich zum Studium der Grundlagen motiviert hat.

Kürzlich haben Sie an der ETH promoviert. Wollen Sie eine akademische Karriere einschlagen?

Nein, das war nicht meine Motivation. Im Doktorat erhält man die Möglichkeit sich über eine längere Zeit selbständig in eine Problematik zu vertiefen und das Wissen in diesem Gebiet zu erweitern. Meine Doktorarbeit an der ETH war sehr praxisorientiert und fand in Zusammenarbeit mit der Industrie statt. Ich habe zu Schwingungen von Wasserturbinen geforscht, da diese grosse Schäden verursachen können. Dabei konnte ich mein ganzes theoretisches und praktisches Wissen einsetzen. Für eine Ingenieur-Karriere in der Industrie ist der Doktortitel jedoch keine Voraussetzung.

Wo arbeiten Sie heute?

Ich arbeite bei Inficon, einer Firma, die Instrumente, Sensoren und Software für die Vakuum-, Halbleiter- und Beschichtungsindustrie produziert. Als Projektleiter kann ich bei der Forschung und Entwicklung von neuen Sensoren vielfältige Aufgaben übernehmen. Meine Arbeit gefällt mir sehr, da ich sowohl meinen praktischen Hintergrund als auch das theoretische Wissen einbringen kann.

Was empfehlen Sie heutigen FH-Studierenden? Sollen sie auch an der ETH promovieren?

Mir ist bewusst, dass nur wenige Fachhochschul-Studierende «meinen» Berufsweg einschlagen – und das ist auch gut so. Aus eigener Erfahrung kann ich den Weg über die Berufslehre und Fachhochschule empfehlen, da dieser früh wertvolle Erfahrungen aus der Arbeitswelt bietet und alle Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt. Zudem würde ich jungen Menschen raten, bei der Berufswahl mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, um Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu gewinnen und sich von den eigenen Interessen leiten zu lassen. Schliesslich geht es darum, eine Arbeit zu finden, die einem glücklich macht.

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