Hochschulen wie die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW haben wegen der Corona-Krise schnell auf Fernunterricht umgestellt. Das bedeutete zwar kurzfristig einen grossen Aufwand, ist aber auch die Chance, neue Unterrichtsmethoden auszuprobieren – auch für die Zeit nach Corona.

Die Vorlesung findet Zuhause statt. (Foto: Polina Zimmermann auf Pexels)

Die Vorlesungsräume auf dem FHNW Campus Brugg-Windisch sind gespenstisch leer. Die Studierenden besuchen den Unterricht Zuhause virtuell via Zoom, Skype, Webex oder ein anderes Videokonferenztool. Eine Umstellung für Dozierende und Studierende gleichermassen. Physikdozentin Dr. Marina Battaglia überträgt ihre Vorlesungen beispielsweise per Videodienst Webex und hat neue Übungsaufgaben erstellt, welche die Studierenden zuhause lösen können. «Wie wahrscheinlich alle war ich am Anfang am Improvisieren», sagt die Astrophysikerin. Welche Tools soll ich benutzen? Wie kann ich ein Modul, das normalerweise im Labor stattfindet, online durchführen? Mittlerweile hat sie sich an die neue Realität angepasst.

Neue Lernformen ausprobieren

Das Vorgehen macht Sinn, meint Monika Schlatter: «Kurzfristig soll der Unterricht einfach weitergehen», sagt die Spezialistin für digitale Bildungsformen im Studiengang Data Science, «langfristig muss man aber den Unterricht an die Onlinewelt anpassen». Denn eine vierstündige Vorlesung über einen Videostream ist anstrengend für Geist, Augen und Rücken. Das kann Marina Battaglia bestätigen: «Vorlesungen über Video sind sehr ermüdend, da kann man nicht die gleiche Menge an Inhalt vermitteln».  Monika Schlatter rät darum ihren Kolleginnen und Kollegen, verschiedene Online-Lernformen zu benutzen: Einen Artikel lesen und dann gemeinsam besprechen, eine Umfrage machen, eine Aufgabe zusammen mit Mitstudierenden in einem virtuellen Gruppenraum lösen, gemeinsam an einem Online-Dokument arbeiten, ein Video-Tutorial schauen. «Das Internet ist ein anderer Lernort», sagt Schlatter, «entsprechend müssen auch die Lernformen angepasst werden». Videokonferenzen sollen beispielsweise weniger für die Wissensvermittlung aber mehr für für Fragen, Austausch und Diskussion genutzt werden.

Nicht nur für Dozierende bedeutet Corona eine Umstellung: Auch Studierende müssen sich an die neue Situation anpassen. «Mein grosses Problem ist die Selbstdisziplin», gibt Informatik-Student Andreas Ambühl zu, «ohne die physische Präsenz an der Hochschule ist es für mich schwieriger, den Hochschulalltag zu meistern».  Sein Rezept gegen fehlende Disziplin: Luftveränderung. «Zum Glück dürfen wir in der Schweiz noch einen Spaziergang machen», sagt der Informatik Student, «das hilft gegen müde Augen und trägen Geist». Die Bedeutung von Pausen kann auch Monika Schlatter bestätigen: «Auch bei einer Videokonferenz soll wie bei einer physischen Sitzung gelegentlich eine Pause eingeschoben werden».

Corona als Chance

Besonders die Informatik-Studiengänge (Informatik, Profilierung iCompetence, Data Science) bauen gegenwärtig ihr Online-Angebot massiv aus: Die FHNW-Dozierenden arbeiten mit sogenannten MOOCs (Massive open online course) oder entwickeln neue Online-Kurse beispielsweise auf der ETH-Plattform «E.Tutorial». Konsequent auf Internet-Ressourcen setzt der Bachelor-Studiengang Data Science an der Hochschule für Technik FHNW. Zwingenden Präsenzunterricht gibt es keinen, Studierende arbeiten selbständig an ihren Lernzielen und werden je nach Bedarf von Fachexpertinnen und -experten unterstützt. «Wir sammeln laufend neue Online-Inhalte für unsere Studierenden», sagt Dozentin Monika Schlatter, «das kann auch für Studiengänge mit konventionellem Unterricht sinnvoll sein». Die neuen Lernformen, welche Dozierende jetzt zwangsläufig ausprobieren müssen, können also auch in der Post-Corona Zeit hilfreich sein.

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