Für den Hyundai-Pavillon an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang realisierte ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW eine eindrückliche Wasserinstallation. Der Pavillon wurde kürzlich mit dem Xaver-Award ausgezeichnet.

Der Hyundai-Pavillon an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (Quelle: iart/vimeo).

Ein lichtdurchfluteter, weisser Raum. Kleine Wassertropfen verlassen regelmässig 258 im Kreis angelegte Düsen. Auf der hydrophoben Oberfläche bleiben die Tropfen intakt und kugeln ungewöhnlich schnell auf einer gerillten Fläche hinunter in einen See. Auf einmal wird dieser lautlos entleert und der Zyklus beginnt von vorne.

Die faszinierende Installation konnten die Besucherinnen und Besucher der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 bestaunen. Die Tropfen-Choreographie war Teil des Hyundai-Pavillons. Der südkoreanische Grosskonzern hatte kürzlich sein erstes wasserstoffbetriebenes Fahrzeug entwickelt und wollte die Wasserstofftechnologie in einen künstlerischen Kontext stellen. Entworfen wurde der Pavillon vom englischen Star-Architekten Asif Khan. Die technische Umsetzung übernahmen das Schweizer Unternehmen iart und – spezifisch für die Wasserinstallation – die Hochschule für Technik FHNW. Das Institut für Thermo- und Fluid-Engineering FHNW hatte die Aufgabe, die Tropfenerzeugung und das Versorgungssystem der Wasserinstallation zu konzipieren, berechnen, konstruieren und umzusetzen. Dazu gehörten unter anderem die Düsen, die Ventilsteuerung, das Verteilsystem, die Pumpenanlage, die Puffertanks und eine Seehebevorrichtung.

Der Aufbau der Wasserinstallation in Südkorea (Quelle: iart/vimeo).

«Damit die Tropfen-Choreographie perfekt funktioniert, musste alles genau aufeinander abgestimmt sein», sagt Manuel Voggesser, der als Wissenschaftlicher Assistent das Projekt begleitete. Dabei war der enge Zeitplan die grösste Herausforderung. Vom ersten Kontakt mit dem Auftraggeber bis zur betriebsbereiten Installation der Anlage in Korea hatte das Team nur gerade vier Monate Zeit. Eine schnelle, gut funktionierende Kommunikation war dabei essentiell: «Wir hatten jeden Tag ein stündiges Telefongespräch mit unserem Auftraggeber», erinnert sich Voggesser, «dabei änderten sich die Design-Vorgaben ständig».

Eine solche Vorgabe war, dass die Besucherinnen und Besucher des Pavillons ein möglichst lautloses Erlebnis der Installation haben mussten. Darum installierte das FHNW-Team die Pumpen in einem schallgedämpften Raum. Besonders das sekundenschnelle Entleeren des 300 Liter grossen Sees musste völlig geräuschlos erfolgen. «Asif Khan befürchtete, dass Abflussgeräusche das Erlebnis stören könnten», verrät Manuel Voggesser. Das FHNW-Team erfüllte die Anforderung mit einer entsprechend grossen Dimensionierung der Röhren, so, dass keine störenden Verwirbelungen entstehen konnten.

Das FHNW-Team in Süd-Korea: (v.r.n.l.) Manuel Vogesser, Sebastian Teutloff und Edgar Brodmann

Eine weitere Schwierigkeit: Das FHNW-Team konnte nichts testen, sie mussten ihren Berechnungen vertrauen. Erst beim Aufbau vor Ort zeigte sich, ob sie richtig lagen. Dieser Aufbau in Südkorea hatte es in sich: Bei zweistelligen Minustemperaturen verlegten Voggesser und seine Kollegen kilometerlange Schläuche, installierte Pumpen und Tanks. Die improvisierten Gasöfen trockneten die Luft im halbfertigen Gebäude aus. Durch die tiefschwarze Farbe der Fassade gelangte Russ in den Innenraum und machten das Atmen schwer. «Erst als wir uns geweigert haben, weiterzuarbeiten, hat man Lüftungen installiert», erzählt Edgar Brodmann, Laborleiter am Institut für Thermo- und Fluid-Engineering FHNW.

Trotz der Schwierigkeiten beim Aufbau, die positiven Eindrücke überwiegen: «Das war ein einmaliges Projekt», schwärmt Brodmann. Auch die Fachwelt war vom Pavillon begeistert. Das Projekt wurde kürzlich mit dem Xaver-Award in der Kategorie «Best Brandworlds & Temporary Exhibitions» mit Gold ausgezeichnet. Der Xaver-Award ist das bedeutendste nationale Gütesiegel der LiveCom-Branche. Neben dem Xaver-Award wurde der Hyundai-Pavillon bereits mit dem iF-Design Award 2019, mit Silber bei den Clio Awards 2018 und Bronze bei Cannes Lions 2018 ausgezeichnet.

Das Projektteam

Das Institut für Thermo- und Fluid-Engineering

Die Kompetenzen des Instituts für Thermo- und Fluid-Engineering liegen im Thermal Systems Engineering inklusive Verbrennung und Gasturbinenprozesse sowie in der automatisierten Simulation und Optimierung von Herstellungsprozessen mit den Spezialgebieten Wasserstrahl- und Zerstäubungstechnologie.

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