Energie & Umwelt

Mit schlauen Containern gegen den Plastikmüll

Hier gehört kein Plastik rein: Ein Grüngut-Container.

Immer mehr Fremdstoffe geraten in die Grüngutsammlung. Für Kompostier- und Vergärungsanlagen ist das ein Problem. In Zukunft sollen «Digitale Grünguttonnen» die Verursacher auf das Problem aufmerksam machen.

Hier gehört kein Plastik rein: Ein Grüngut-Container.

Hier gehört kein Plastik rein: Ein Grüngut-Container.

Die Schweiz gehört bezüglich Recycling zur europäischen Elite. Doch nicht nur Alu, Glas oder PET entsorgen wir gerne separiert, auch Küchen- oder Gartenabfälle werden speziell gesammelt. Oft geschieht dies auf dem Kompost im Garten, im Quartier oder auf dem Bauernhof. Der grösste Teil der sogenannten «biogenen Abfälle» wird aber via Grüngutsammlung wiederverwertet. 109 Kilogramm pro Einwohner waren es 2017 in der Schweiz.

Zuviele Fremdstoffe im Kompost

Die Grüngutsammlung macht ökologisch wie wirtschaftlich Sinn: Garten- und Küchenabfälle werden durch Kompostierung oder in Vergärungsanlagen in wertvolles Biogas, Kompost und Gärgut umgewandelt. Doch diese Verarbeiter haben mit einem wachsenden Problem zu kämpfen: Immer mehr Fremdstoffe verirren sich in das Grüngut. Besonders Kunststoffe wie Plastiksäcke oder Verpackungen werfen viele Menschen fälschlicherweise in den Kompostkübel. «Dies hängt in den meisten Fällen mit der Bequemlichkeit der Menschen zusammen», meint Andreas Utiger vom Branchenverband Biomasse Suisse, «ein weiterer Grund, der aber nur in wenigen Fällen zutrifft, ist die mangelnde Information über die Konsequenzen dieses Handelns». Eine Studie des Bundesamtes für Umwelt BAFU zeigt, dass sich der Anteil von Metallen, Steinen und Plastik seit 2001 stellenweise verfünffacht hat. Bis zu vier Prozent Fremdstoffe haben die Autoren der Studie im Grüngut gefunden. Das hört sich nicht nach viel an, wirkt sich aber mit erhöhten Kosten bei der Verarbeitung und qualitativen Einbussen beim Endprodukt aus. Sortiermethoden wie Sieben, Magnetabscheidung oder manuelle Auslese können Steine und Metalle gut entfernen. Bei Kunststoff ist das aber viel aufwändiger und teurer. Ein Geschäft mit geringer Wertschöpfung wie die Grüngutverwertung wird so schnell defizitär. Darum will das Bundesamt für Umwelt BAFU beim Verursacher – also bei Herr und Frau Schweizer – ansetzen.

Die Grüngutsammlung wird digitalisiert

Das BAFU prüft die Möglichkeit, den Inhalt einzelner Grüngut-Container systematisch zu analysieren. «Digitale Grünguttonne» heisst das Projekt: Am Sammelfahrzeug ist ein Scanner installiert, der Plastik, Metalle und Steine im Grüngut identifizieren kann. Wird ein Container in das Fahrzeug entleert, überprüft der Scanner den Inhalt auf diese Fremdstoffe.

Die Schwierigkeit besteht darin, Plastik vom restlichen Grüngut zu unterscheiden. Das Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz FHNW vergleicht deshalb im Auftrag des BAFU verschiedene technische Ansätze: Einerseits das Wirbelstromverfahren, bei dem Metalle detektiert werden. Aus Erfahrungswerten kann man von einer Korrelation zwischen Metall- und Plastikverunreinigung ausgehen und so indirekt auch die Kunststoffe detektieren. Die Methode des BAFU und von Biomasse Suisse hingegen basiert auf optischer Detektion: Dabei wird der Inhalt der Grüncontainer mit unterschiedlich positionierten Multispektralkameras im Sammelfahrzeug gescannt. Aufgrund der spezifischen optischen Eigenschaften, können die Materialen unterschieden und Kunststoffe direkt identifiziert werden.

Herausforderungen dabei: Garten- und Haushaltsabfall sieht je nach Saison völlig anders aus. Ebenfalls ändern sich die Lichtverhältnisse vom Sommer in den Winter. Ein anderes Problem ist der Umgang mit biologisch abbaubaren Plastiksäckchen. In manchen Gemeinden sind diese Komposttüten erlaubt, in anderen nicht. Das System muss jedes Material erkennen und richtig interpretieren. Dabei hilft die Künstliche Intelligenz: Das System lernt aus Beispiel-Fotos, kann Muster erkennen und diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern.

Abfallsünder werden informiert

In Zukunft erhält die Gemeinde die Informationen zum Fremdstoffgehalt, Gewicht und Besitzer der Container und kann die geeigneten Massnahmen treffen. Dies können gezielte Informationen oder gar Bussen sein. Eine andere Möglichkeit wäre die Einführung eines Entsorgungspreises, der sich an der Qualität des Grünguts richtet. «Bisher geschah die Entsorgung des Abfalls anonym», sagt Andreas Utiger, «wenn sich die Menschen bewusst werden, dass fehlerhaftes Handeln geahndet werden kann, so hat dies einen präventiven Charakter und führt zu einem geringeren Fremdstoffanteil im Grüngut und somit in der Umwelt».

Die Ergebnisse der Studie fliessen in die Vollzugshilfe der Abfallverordnung, einem Tool des BAFU für die Vollzugsbehörden wie beispielsweise Gemeinden. Erste Tests der «Digitalen Grünguttonne» für die Grundprogrammierung wurden erfolgreich durchgeführt. Weitere ausgedehnte Versuche folgen im Sommer im Kanton Zürich.

Zum Autor

Vor seiner Professur an der FHNW hat Michael Bösch das strategische Umweltmanagementsystem der Schweizerischen Bundesbahnen geleitet und dabei zahlreiche Projekte zur Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung initiiert und umgesetzt. Heute ist er Professor für Ressourceneffizienz an der Hochschule für Technik FHNW.

Zum Personenprofil

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