Energie & Umwelt

«Langsames Aufladen macht mehr Sinn»

Zuhause sein Elektroauto aufladen: Schwieriger als es sich anhört. Denn oft fehlen die Steckdosen beim Parkplatz und auch die Kostenverteilung ist ungeklärt. Das will der ehemalige Energie- und Umwelttechnik-Student Markus Bossert mit seinem Produkt megalog ändern.

Markus Bossert, was ist megalog?

Wenn man ein Elektroauto hat, will man es zuhause aufladen können. Beim Einfamilienhäuschen ist das kein Problem: Meist ist irgendwo draussen oder in der Garage eine Steckdose zu finden, die man nutzen kann. Aber in Überbauungen ist die Situation komplizierter: Hier sind meist keine Steckdosen beim Parkplatz installiert. Und falls doch, kommt das Problem der Kostenverteilung dazu: Der Stromverbrauch in einer Einstellhalle wird allen Mietern oder Stockwerkeigentümern verrechnet. Das geht natürlich nicht, wenn jemand dort sein Elektroauto auflädt. megalog spricht genau diese Probleme an und bietet eine kostengünstige Ladelösung für Wohnsiedlungen und Einstellhallen.

Wie genau löst megalog diese Probleme?

Unsere Powerboxen bestehen aus einer oder mehreren Industrie-Steckdosen (CEE 16A), einer Haushaltssteckdose (T13), einem kleinen Stromzähler, sowie aus Relais und Sicherungselementen. Alles handelsübliche, kostengünstige Elemente, die jeder Elektriker installieren oder reparieren kann. Jede Powerbox ist mit der zentralen Steuereinheit verbunden, in der die Stromverbräuche aufgezeichnet und die Relais angesteuert werden, sofern eine Intervention durch das Lastmanagement notwendig ist.

Single- und Duo-Powerboxen von megalog (zvg).

Sie nutzen normale 3.7 kW-Steckdosen. Warum verbauen sie nicht leistungsstärkere Ladestationen?

Wer soll das bezahlen? Schnellladestationen sind eine grosse Investition, die kein Vermieter übernehmen würde. Zudem machte es auch wenig bis keinen Sinn, seinen Parkplatz mit einer Ladeinfrastruktur wie auf einer Autobahnraststätte auszustatten. Das ist ähnlich sinnlos, wie wenn man sich zuhause eine Gastro-Küche installiert. megalog nutzt ganz pragmatisch die zur Verfügung stehenden Ressourcen einer Überbauung, um möglichst viele Fahrzeuge gleichzeitig zu laden. So kann auch auf eine zusätzliche und kostspielige Stromzuleitung von einer Trafostation verzichtet werden.

Genügen denn normale 3.7-kW-Steckdosen, um beispielsweise einen Tesla aufzuladen?

Grundsätzlich ja. Auch ein Tesla kann an einer ganz normalen Steckdose angeschlossen werden. Über Nacht steht das Auto sowieso gegen 10 Stunden auf dem Parkplatz – in dieser Zeit lässt sich der Akku um maximal 37 kWh aufladen. Umgerechnet auf den Verbrauch eines durchschnittlichen Teslas (rund 20kWh/100 Kilometer) sind das 185 Kilometer. Für die meisten Menschen, die mit dem Elektroauto zur Arbeit und zurück fahren, genügt das vollkommen.

Was ist mit dem Aussendienstler, der täglich 300 Kilometer zurücklegt?

Für Vielfahrer macht es eher Sinn, eine schnellere Ladelösung zu installieren. Tesla bietet beispielsweise eigene Lösungen an. Das ist bei megalog kein Problem und kann auf Wunsch zusätzlich installiert werden. Dazu muss man aber sagen: Wenn alle Nutzer einer Einstellhalle diesen Bedarf haben, kommt jedes Stromnetz an seine Limiten, egal mit welcher Ladeinfrastruktur. Wie gesagt: In den meisten Fällen macht langsames Aufladen Zuhause mehr Sinn.

Wer soll denn dieses Lade- und Abrechnungssystem bezahlen?

Unsere Idee richtet sich an Vermieter. Diese kaufen nur unsere Powerboxen, während die einzelnen Mieter für ihr jeweiliges Ladegerät selber aufkommen – ob das jetzt eine Tesla-Ladestation oder eine andere Lösung ist. Damit hält sich der finanzielle Aufwand für den Vermieter in Grenzen und für den Mieter gilt der Ansatz der Fairness: Wer mit wenig zufrieden ist kommt sehr günstig weg, wer mehr Luxus will, muss mehr bezahlten.

Was ist Ihre Motivation?

Verbrennungsmotoren verursachen grosse Mengen an Treibhausgasen und sind extrem ineffizient. Darum ist die Abkehr von kohlenstoffhaltigen Energieträgern besonders bei der Mobilität unausweichlich. Die Elektromobilität ist dabei ein wichtiges Element. Der Elektromotor hat einen Wirkungsgrad von über 90% und braucht daher etwa einen Viertel der Energie eines Dieselautos. Mit der Elektromobilität reduzieren wir somit die CO2-Emissionen und benötigen viel weniger Energie für den selben Komfort. Das macht sich auch im Portemonnaie positiv bemerbar.

Fahren Sie denn selber auch ein Elektroauto?

Nein, ich beitze überhaupt kein Auto. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wo ein Auto quasi als lebensnotwendig galt. Mit 18 kaufte ich mir auch eines. Seither bin ich aber eigene Wege geagangen und hab neue Möglichkeiten wie eVelo, Carsharing und den ÖV entdeckt. Mir reicht es, das benötigte Transportfahrzeug nutzen zu können, statt es zu besitzen.

Das Interview führte Sandro Nydegger, Hochschule für Technik FHNW.


megalog zum Anfassen

Markus Bossert studierte Energie- und Umwelttechnik an der FHNW. Danach entwickelte er das megalog-System zusammen mit der Hochschule für Technik FHNW mit der Unterstützung von Innosuisse. Markus Bossert ist in den nächsten Monaten mit megalog an verschiedenen Messen der Deutschschweiz mit einem Stand vertreten:

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