Michael Bösch

Rohstoffe werden knapper, der Abfallberg steigt. Damit wir mit unseren wertvollen Ressourcen nachhaltiger wirtschaften, ist eine ganzheitliche Betrachtung nötig. Davon ist Michael Bösch überzeugt. Der 39-jährige ist Professor für Ressourceneffizienz an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

Michael Bösch

Die Lüftung im Raum dröhnt, Geräte klicken und knacksen. Michael Bösch steht vor einem Regal mit 72 Blei-Akkus. Die schwarzen Kisten – welche grosse Ähnlichkeit mit Autobatterien aufweisen – lagern im Stellwerk des Bahnhofs Brugg. «Dank diesen Akkus funktioniert das Stellwerk auch bei einem Stromunterbruch», erklärt der Professor für Ressourceneffizienz an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Eine Stunde lang liefern die 12-Volt-Akkus Elektrizität, sollte es mal zu einem Unterbruch in der Stromversorgung kommen.

Die SBB haben Tausende von solchen Batterien. In den Lokomotiven, in Tunnels, in Bahnhöfen oder in Stellwerken, so wie hier in Brugg. Wie viele es genau sind weiss niemand, auch die SBB selber nicht. Deshalb haben sie Michael Bösch beauftragt, den Bestand der Batterien im Unternehmen zu analysieren. Dabei geht es nicht um eine Inventur, vielmehr wollen die SBB wissen, wie sie in Zukunft ihre Batterien effizienter und nachhaltiger bewirtschaften können. Denn Batterien und Akkus sind teuer, enthalten viele wertvolle Rohstoffe sowie auch schädliche Schwermetalle. Ein nachhaltiger Umgang lohnt sich deshalb wirtschaftlich und ökologisch.

Kreislaufwirtschaft als leitendes Konzept

«Jede Ressource hat einen Wert, den es zu bewahren gilt», erklärt Michael Bösch. «landet eine Batterie einfach im Abfall, verliert sie den grössten Teil ihres Werts». Darum interessiert er sich für den ganzen Lebenszyklus der SBB-Batterien: Von der Herstellung, über den Einkauf, die Produktnutzung bis zur Entsorgung oder idealerweise Wiederverwertung. Kreislaufwirtschaft nennt man das Konzept, das Michael Bösch vorschwebt. Damit ist ein System gemeint, bei dem die eingesetzten Ressourcen nicht beseitigt, sondern wiederverwendet werden. Es steht im Gegensatz zum linearen Wirtschaftsmodell, wo ein Grossteil der Rohstoffe am Ende des Produktlebenszyklus als Abfall anfällt und deponiert oder verbrannt wird.

Ganzheitliche Sichtweise

Kreislaufwirtschaft ist aber mehr als Recycling. Sie umfasst den ganzen Lebenszyklus eines Produkts, wobei dem Produktdesign und der Produktnutzung eine wichtige Rolle zukommt. Bei den SBB-Batterien ist es beispielsweise wichtig, welche Art von Batterie beschafft wird und wie sie genutzt wird, da sich die verschiedenen Technologien deutlich unterscheiden bezüglich Lebensdauer, Anzahl möglicher Ladezyklen und Gewicht. Dies entscheidet darüber, wie effizient die Batterie betrieben werden kann und ob eine sinnvolle Sekundärnutzung möglich ist. Denn je nach Zustand kann eine Batterie nach dem eigentlichen Einsatzzweck für weitere, weniger anspruchsvolle Aufgaben eingesetzt werden.

Ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen ist darum nicht nur eine Frage der Technologie oder der Abfallbewirtschaftung. Er betrifft auch ökonomische Überlegungen, politische Rahmenbedingungen oder die Unternehmenskultur. Wenn Michael Bösch darum im Stellwerk Brugg steht, sieht er nicht nur 72 Batterien. Er sieht eine Ressource, deren Wert es zu erhalten gilt.

Zur Person

Die Unternehmenskultur der SBB kennt Michael Bösch bereits sehr gut. Vor seiner Professur an der FHNW hat er das strategische Umweltmanagementsystem der Schweizerischen Bundesbahnen geleitet und dabei zahlreiche Projekte zur Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung initiiert und umgesetzt. Heute ist der 39-jährige Professor für Ressourceneffizienz an der Hochschule für Technik FHNW.

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