Die Cloud ist selbstverständlich geworden

Am 13. März 2019 fand der 6. Cloud Use Cases Day am FHNW Campus Olten statt. Die Teilnehmenden liessen sich von Experten inspirieren und konnten anhand von Fallbeispielen ihr digitales Knowhow aufpeppen.

Der grosse Knall kam zum Schluss: Der 6. Cloud Use Cases Day war der letzte unter diesem Namen. “Die Cloud ist selbstverständlich geworden”, sagte Prof. Dr. Stella Gatziu-Grivas in ihrem Schlusswort. Nach einer ersten und zweiten Entwicklungswelle ist die Cloud mittlerweile an einem neuen Level angekommen. Um am Puls der Zeit zu bleiben, muss sich auch eine Veranstaltung neu erfinden. Deshalb wird nächstes Jahr der erste Transformation Cases Day stattfinden.

Denn in einem Punkt waren sich die Teilnehmenden am letzten Cloud Use Cases Day einig: Cloud ist ein wichtiges Puzzlestück der digitalen Transformation, die so viel mehr umfasst als einzelne technische Lösungen. Das spiegelte sich auch in den Input-Referaten und den vorgestellten Cases wider.

Ökosysteme, Leadership und Kompetenzen

In seinem Vortrag mit dem Titel “Get your organization digital” führte Prof. Dr. Kai Reinhardt von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin aus, dass eine erfolgreiche Digitalisierung nicht nur die Anwendung von digitalen Technologien beinhaltet. Vielmehr müssen Unternehmen ihre Organisationsstrukturen und Führungssysteme, also ihre DNA, fundamental anpassen. Anders gesagt: Wichtig sind Leadership und Kompetenzmanagement.

Prof. Dr. Kai Reinhardt betonte, dass Unternehmen sich für neue Businessmodelle öffnen und ihre DNA anpassen müssen (Foto: FotoMendez Zürich).

Diese zwei Themenbereiche haben auch Prof. Dr. Johanna Anzengruber von der FH Oberösterreich und der Keynotespaker Holger Rathgeber in ihren Beiträgen beleuchtet. Es reicht nicht, das Wort „digitale Kompetenz“ auf einem Kompetenzatlas hinzuzufügen, es geht vielmehr um die Analyse der Kompetenzdaten, welche jahrelang gesammelt werden. So die Hauptaussage im Vortrag von Johanna Anzengruber. „Competence Analytics“ ist das Stichwort. Durch diese Analyse erfahren Unternehmen, welche Kompetenzen sie benötigen, um sich in Netzwerken und Ökosystemen erfolgreich zu positionieren. In der anschliessenden Keynote erläuterte Holger Rathgeber die Bedeutung von Leadership im digitalen Zeitalter, was sich vom etablierten Management deutlich unterscheidet. Das Motto lautet: Mehr Leadership, nicht nur mehr Management! Dabei gilt es, folgendes Problem zu lösen: Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem mehr Menschen wieder Vertrauen in sich und andere fassen, Initiative zeigen und Führung und Verantwortung übernehmen können? Nur dann können sie an ihren Aufgaben wachsen, Werte schaffen und in ihrer Arbeit Sinn, Spass und Erfüllung finden.

Holger Rathgeber erläuterte die Unterschiede zwischen Management und Leadership im digitalen Zeitalter (Foto: FotoMendez Zürich).

“Analoge” Branchen im digitalen Tsunami

In den Impulsreferaten wurden solche Überlegungen mit praktischen Fallbeispielen illustriert. Daniel Geiss von der SV Group und Daniel Schmidt von devpoint zeigten anschaulich, wie ein Kühlschrank namens Emil die Versprechungen des Internet of Things (IoT) erfüllen kann. Das smarte Gerät kommt gleichzeitig den Bedürfnissen einer veränderten und individualisierten Arbeitswelt entgegen und erschliesst einem “analogen” Unternehmen neue, digitale Geschäftsmodelle.

Access as a service – Zutritt als Dienstleistung. So beschrieb Stefan Ammann, Geschäftsführer von dormakaba Schweiz, wie ein Unternehmen, das sich aus traditionellen Schlossereien entwickelt hat, digitale Strategien anwendet. Oberste Priorität haben dabei natürlich die Sicherheit und Zuverlässigkeit der per App gesteuerten Türverriegelungen. Ebenso wichtig für dormakaba ist die Bildung und Erweiterung des Ökosystems.

Die Printmedien sind wohl die Branche, die der “digitale Tsunami” am meisten in Mitleidenschaft gezogen hat. Um in diesem neuen Zeitalter mithalten zu können, hat sich Ringier eine umfassende Digitalisierungsstrategie verschrieben. CIO Marcus Dauck führte aus: “Wir mussten ganz schnell schwimmen lernen”. Dazu gehört nicht nur den Jahresbericht als 360°-Video zu präsentieren, sondern auch der konsequente Einsatz von Cloud-Technologien. Gerade für Medienschaffende können Software-as-a-Service-Lösungen, die zeit-, orts- und geräteunabhängig verfügbar sind, eine enorme Vereinfachung der Arbeitsabläufe bedeuten.

Marcus Dauck präsentierte die Entwicklung der Digitalisierung bei Ringier (Foto: FotoMendez Zürich).

Von der Cloud zur Transformation und Innovation

Im von Prof. Dr. Marc K. Peter von der Hochschule für Wirtshaft FHNW moderierten Expertengespräch gab Stefano Mallè von Microsoft Schweiz einen Überblick über die kommenden Trends und Marktbedürfnisse. Die Hauptaussage: Technologien wie Machine Learning oder IoT sind für jedes Unternehmen zugänglich. Die Anbieter tätigen riesige Investitionen in solche Entwicklungen, aber auch in die Erhöhung der Sicherheit.

Ein weiteres Highlight des Cloud Use Cases Days waren die drei Workshops zu den Themen Multi Clouds (T-Systems), Information Dashboards (DTI AG) und Security (Swisscom). Das Thema Multi Clouds bewegt die Unternehmen aktuell. Am Use Case Referat von Baltisar Oswald, Software Architekt bei SBB, wurde dies überdeutlich. Flixbusse, selbstfahrende Fahrzeuge, Uber und Mitfahrvermittlungs-Plattformen konkurrieren die SBB auf dem Mobilitätsmarkt. Je grösser und globaler ein Unternehmen wird, desto mehr verliert man sich im Informationsirrgarten, so Peter Simon, Web Content Manager bei SIKA. Er zeigte in seinem Use Case Referat, wie Sika Daten-Silos zusammenführt, diese in einer Oberfläche vereint und damit die Kunden- und Mitarbeitendenzufriedenheit steigert. Das Fazit des Tracks von Swisscom lautete: “Der menschliche Faktor bedeutet die grösste Verwundbarkeit in der Cloud.”

Nach der Cloud ist vor der Transformation: Prof. Dr. Stella Gatziu Grivas kündigte den Transformation Use Cases Day als Nachfolger des Cloud Use Cases Day an (Foto: Tanja Vogel).

Zum Abschluss des letzten Cloud Use Cases Day untersuchte Philipp Ziegler von MSM Research die Schweizer ICT-Landschaft und wagte den Blick in die nahe Zukunft. Während der Eigenbetrieb zurzeit noch 70 % der IT-Services in Unternehmen ausmacht, prognostizierte Ziegler, dass dieser Anteil in naher Zukunft auf 30 % sinken wird. Es wurde mit Zahlen hinterlegt, was heute in aller Munde ist: Die Cloud ist so mehr als eine Facette, sie ist ein Katalysator der Digitalisierung.

Am 18. März 2020 wird der erste Transformation Use Cases Day am FHNW Campus Olten stattfinden. Die Anmeldung und das detaillierte Programm werden frühzeitig kommuniziert werden.

Weitere Informationen

Webpage Cloud Use Cases Day

Kontakt

Prof. Dr. Stella Gatziu Grivas

stella.gatziugrivas@fhnw.ch

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