“Ich glaube, dass es zu einer noch engeren Verschmelzung von Betriebsökonomie und IT kommen wird.”

Zehn Jahre nach seinem Abschluss im Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW ist Pascal Winkler Senior Manager bei EY. Im Interview erzählt er, welche Skills aus seiner Studienzeit ihm heute noch zugutekommen und wie man als Wirtschaftsinformatiker Karriere im Consulting macht.

Pascal, wieso hattest du dich damals für ein Fachhochschul-Studium entschieden?

“Ich wollte mich beruflich weiterentwickeln und wusste, dass mir ein zusätzlicher Abschluss dabei helfen würde. Mich hat der grosse Praxisbezug des Studiums überzeugt, mit echten Case Studies und konkreten Beispielen. Es war wichtig, dass wir von Leuten unterrichtet wurden, die selber schon ein Unternehmen gegründet hatten oder andere Erfahrungen aus der Wirtschaft mitbrachten.”

Was ist dir von deinem Studium besonders in Erinnerung geblieben?

“Ich erinnere mich vor allem gerne an die Projektarbeiten und Präsentationen. Wenn du nach wochenlanger Teamarbeit deine Arbeit präsentierst und alle alles dafür geben – das ist ein tolles Gefühl. Das ist heute auch noch so, wenn wir einen Pitch haben und Leute aus England, Australien und Kanada zusammenkommen. Wenn du dann vor dem Kunden stehst, geht dein Puls erst mal nach oben. Aber wenn du merkst, dass deine Message ankommt und du richtig im Flow bist, ist das einer der besten Momente.”

Das heisst, du profitierst auch heute noch von den sozialen Skills, die du dir im Studium erarbeitet hast?

“Auf jeden Fall. In so einem praxisbezogenen Studium mit vielen Projekten lernt man das gemeinschaftliche Arbeiten. Die Grundlagen von Leadership und Management helfen mir heute, da ich als Senior Manager auch Personalverantwortlichkeit habe.”

Wie bist du zu deiner Anstellung bei EY gekommen?

“EY kam an die FHNW, um sich den Studierenden vorzustellen und potenzielle Mitarbeitende kennenzulernen (es finden regelmässige Networking-Events für Unternehmen und FHNW-Studierende statt, Anm. d. Red.). Nach meinem Abschluss hatte ich drei Jobangebote, aus denen ich auswählen konnte. Ich entschied mich für EY, weil mich der persönliche Kontakt überzeugte und das Gesamtpaket stimmte.”

“Pascal ist ein wertvoller Sparringspartner in Bezug auf die Schnittstelle Wirtschaftsprüfung/Prüfung der IT-Systeme, sehr proaktiv und konstruktiv – ich schätze die Zusammenarbeit mit ihm sehr.

Ksapar Streiff, Leiter Region Nordwest und Sitzleiter Aarau bei EY.

Was gefällt dir an deinem Job am besten?

“Die Zusammenarbeit mit den Menschen. Wir wollen unseren Kunden und unseren Mitarbeitenden das Leben einfacher machen. Das passt zu mir, ich arbeite gerne für die Leute und helfe ihnen weiter.”

Welche Herausforderungen kommen mit der Digitalisierung auf die Wirtschaftsprüfung zu?

“In allen Branchen kann man vieles automatisieren, auch wenn es noch nicht überall so weit ist. In den Unternehmen ist die Effizienz wichtig, also wünschen sie sich pfannenfertige Lösungen, von denen es aber nicht viele gibt. Zudem machen Technologien wie zum Beispiel Cloud alte Infrastrukturen überflüssig. Wenn wir die geschäftsführenden Systeme im Januar prüfen, sind die im Juni vielleicht schon mit einem Knopfdruck in die Cloud migriert und ein Jahr später dann nicht mehr bei Amazon, sondern bei Microsoft. Wirtschaftsprüfer müssen diese Volatilität nachvollziehen können und sich damit auseinandersetzen, was Automatisierung und Digitalisierung für die Geschäftsprozesse bedeutet. Deshalb glaube ich, dass es in Zukunft zu einer noch engeren Verschmelzung von Betriebsökonomie und IT kommen wird.”

Wie gefragt sind Wirtschaftsinformatiker und generell FHNW-Absolventen bei EY?

“Generell gibt es in der ganzen Wirtschaft einen gewissen Mangel an Wirtschaftsinformatikern. Und speziell FHNW-Absolventen haben die gesuchte Praxiserfahrung und wissen, wie man im Team arbeitet. Andere sind im Bewerbungsgespräch vielleicht super, aber ob es dann in der echten Arbeitssituation auch klappt, ist ein anderes Thema.”

Eine Anstellung bei einem der “Big Four” Consulting-Unternehmen ist für viele ein Traumjob. Welche Tipps kannst du den aktuellen Studierenden und zukünftigen Kandidaten mitgeben?

“Bereitet euch vor! Schaut die Homepage an und lest den Geschäftsbericht des Unternehmens, das gibt euch eine Vorstellung davon, was gerade aktuell ist. Nutzt die Möglichkeiten an der FHNW, um euch auf Vorstellungsgespräche und Arbeitssituationen vorzubereiten. Und seid euch bewusst, dass ihr nach dem Abschluss nicht fertig seid mit Lernen. Technologien entwickeln sich immer schneller und da müsst ihr am Puls der Zeit bleiben, zum Beispiel mit Weiterbildungen.”

Wir danken Pascal herzlich für dieses Interview und wünschen ihm viel Erfolg für die Zukunft.

Weitere Informationen

Wirtschaftsinformatik an der FHNW studieren

Webseite EY Schweiz

Kontakt

Florian Schönmann

florian.schoenmann@fhnw.ch

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