Teaching in Lanzhou 2018

Prof. Dr. Mathias Binswanger blickt auf seine Lehrerfahrung aus dem International MBA Programm der School of Management an der Lanzhou University zurück.

Ein Text von Prof. Dr. Mathias Binswanger.

Im November 2018 habe ich auf Einladung der School of Management an der Lanzhou University einen zwei Wochen dauernden Kurs in Managerial Economics für das dort neu angebotene International MBA Programm unterrichtet. Dieses Programm richtet sich an jüngere berufstätigte Männer und Frauen, die sich in Englischer Sprache fortbilden möchten. Denn auch in China sind zunehmend Kenntnisse über Managementmethoden und internationale wirtschaftliche Zusammenhänge gefragt. Hauptsächlich werden die Kurse durch Professoren von Universitäten in den USA erteilt. Doch dank der schon seit längerer Zeit bestehenden Kooperation der FHNW mit der Lanzhou University erging auch an unsere Fachhochschule die Einladung, sich an dem Programm zu beteiligen.

Die 1909 gegründete Lanzhou University gehört zu den wichtigsten Bildungsinstitutionen im Westen von China und geniesst dort hohes Ansehen. Die Stadt Lanzhou selbst war seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. ein bedeutender Verbindungspunkt der historischen nördlichen Seidenstrasse. Sie war eine Art Grenzübergang zwischen dem chinesischen Kernland im Südosten und den Stämmen im Norden und Westen, wo die Wüste Gobi ihren Anfang nimmt. Im Sommer wird es deshalb ziemlich heiss in Lanzhou, doch im November erfordert das Klima keinerlei Umgewöhnung. Es ist genau so kalt wie in der Schweiz und zeitenweise liegt auch Schnee.


Prof. Dr. Mathias Binswanger (Mitte) mit Studierenden der Lanzhou University.

In jüngster Vergangenheit erlangte Lanzhou auch noch auf andere Weise einen gewissen Bekanntheitsgrad. 1998 wurde Lanzhou vom World Resources Institute zur schmutzigsten Stadt der Erde gewählt. Und 2008 war Lanzhou eine der zehn am meisten mit Luftverschmutzung belasteten Städte der Erde. Inzwischen hat sich die Situation aber aufgrund drastischer Massnahmen verbessert und bei schönem Wetter ist die Sicht nur noch wenig getrübt.

Doch kommen wir zur eigentlichen Kerntätigkeit meines Aufenthaltes. Unterrichten in China ist stets eine besondere Herausforderung. Man trifft auf Studentinnen und Studenten mit ganz unterschiedlichen Englischkenntnissen und entsprechend verschieden sind auch deren Möglichkeiten, dem Unterricht zu folgen oder sich sogar aktiv daran zu beteiligen. So war es auch in Lanzhou. Ein Teil der Studenten sprach ausgezeichnetes Englisch, doch für andere war schon allein die Sprache eine grosse Hürde. Doch das tat dem Unterricht insgesamt keinen Abbruch.

Ich traf eine hochmotivierte Gruppe von 40 Studentinnen und Studenten, die trotz den zum Teil fast übermenschlich langen Unterrichtszeiten ausharrte und versuchte, die nicht immer einfache Materie zu verstehen. Samstag und Sonntag dauerte der Unterricht nämlich von 8.30 Uhr morgens bis 19.00 Uhr abends, was in der Schweiz den Rahmen der Sozialverträglichkeit sicher sprengen würde. Doch in China ist das anders. Das Bedürfnis sich zu verbessern und Neues zu lernen ist dermassen gross, dass die Universitäten auch an Wochenenden mit Studierenden bevölkert sind.

Die Studierenden waren aber nicht nur leistungswillig, sondern auch äusserst zuvorkommend. So war es ihnen ein Anliegen, mich mit diversen lokalen Spezialitäten bekannt zu machen und das Essen in Lanzhou ist tatsächlich hervorragend. Mein Aufenthalt war zu kurz, um einen vollständigen Überblick über die kulinarische Vielfalt dieser Region zu erhalten. Es bleiben deshalb unausgeschöpfte Möglichkeiten für einen nächsten Aufenthalt.

Kontakt

Prof. Dr. Mathias Binswanger

mathias.binswanger@fhnw.ch

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