10 Tipps zum Umgang mit «Fake News»

Wie oft sind Sie schon «Fake News» auf den Leim gegangen? Welchen Informationen trauen Sie heute überhaupt noch? Studierende der Hochschule für Wirtschaft FHNW geben Tipps für einen kompetenten Umgang mit Informationen im Social Web.

Als «Fake News» bezeichnet man Falschinformationen, die häufig über Social Media verbreitet werden. Sie haben zum Ziel, die Meinungen von Menschen zu eigenen Gunsten oder zugunsten einer Auftraggeberin oder eines Auftraggebers zu manipulieren – aus persönlichen, politischen oder wirtschaftlichen Beweggründen. Inzwischen wurde belegt, dass diese Praktiken u. a. im Wahlkampf von Donald Trump in grossem Massstab eingesetzt wurden, um die Meinung von Wählerinnen und Wählern gezielt zu beeinflussen. Ähnliches ist beispielsweise zur Beeinflussung von Börsenkursen möglich.

Auswertung von Nutzungsdaten für passgenaue Ansprache

In der passgenauen Ansprache liegt der Schlüssel zum Erfolg von «Fake News»: Der Stanford-Wissenschaftler Michal Kosinski erklärt, dass PsychometrikerInnen allein aus Ihren Likes auf Facebook inzwischen präzise Rückschlüsse ziehen, «auf Ihre politischen Ansichten, Ihre Religion, Ihre Persönlichkeit, Intelligenz, Zufriedenheit und Ihre sexuelle Veranlagung und sogar darauf, ob Ihre Eltern geschieden sind». Man habe in einem Versuch gezeigt, dass ein Algorithmus Menschen nach der Analyse von nur zehn Facebook Likes besser einschätzt als deren Arbeitskolleginnen und –kollegen, nach hundert übertreffe seine Kenntnis jene der eigenen Familienangehörigen, nach 230 besser als deren LebenspartnerIn.

Verändertes Informationsverhalten

Menschen informieren sich heute zunehmend über das Internet, insbesondere über Social Media. Wo es aber keine verbindlichen verbreiten sich «Fake News» ungehindert. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch Social Bots – Computerprogramme, die in Social Media vorgeben menschliche Nutzer zu sein und die Inhalte effektiv verbreiten.

Allgemeine Verunsicherung gegenüber Medienberichterstattung

Ausgerechnet von den Akteurinnen und Akteuren, die auf diese Weise Meinungen gezielt mit Falschinformationen beeinflussen wollen, wird der Begriff «Fake News» als Kampfbegriff verwendet, um seriöse Medien zu diskreditieren. Denn diese können als Korrektiv gegen «Fake News» wirken. Das hat zu einem Vertrauensverlust gegenüber der Medienberichterstattung geführt – auch bei manchen Studierenden der Hochschule für Wirtschaft, wie sich in Diskussionen im Unterricht immer wieder zeigte.

Wachsende Anforderungen an die Medienkritikfähigkeit

In ihrem Arbeitsalltag müssen Betriebsökonominnen und –ökonomen verlässliche Informationen finden und selbst professionell auf verschiedenen Kanälen kommunizieren. Mit der Verlagerung unseres Informationsverhaltens auf das Internet und mit der zunehmenden Verfeinerung der Praktiken von «Fake-News»-Machern bedarf es einer immer besseren Medienkritikfähigkeit.

Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Informationen im Internet

Hier setzten die Studierenden des Studiengangs Betriebsökonomie an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Basel an. Sie reflektierten das eigene Nutzungsverhalten und recherchierten zum möglichen Umgang mit «Fake News». Auf dieser Basis geben sie nun ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen zehn Ratschläge für den verantwortungsvollen Umgang mit Informationen in Online-Medien:

  1. Beherrsche deine Emotionen: Verbreite Beiträge nicht sofort, wenn du sehr emotional darauf reagierst. «Fake News» zielen auf deine unmittelbare emotionale Reaktion ab. Beachte zuerst die folgenden Hinweise.
  2. Suche andere Quellen für die Information: Berichten auch dir bekannte, seriöse Medien oder andere verlässliche Quellen über das Thema? Wenn nicht, kann das ein Hinweis auf «Fake News» sein.
  3. Prüfe die Quellen: Woher stammen die Aussagen? Werden Quellen genannt und gibt es die angegebenen Studien, Personen oder Institutionen wirklich? Wer steht mit welchen Interessen dahinter? Beiträge von anonymer Autorenschaft oder Websites, für die keine eindeutige inhaltliche Verantwortlichkeit erkennbar ist (z. B. im Impressum), sind nicht glaubwürdig. Eine Ausnahme bilden natürlich journalistische Berichte, in denen InformantInnen zu deren Schutz nicht genannt werden.
  4. Prüfe die URL einer Quelle kritisch. Manchmal werden etablierte Medien imitiert, die URL weicht dann leicht von der originalen URL ab.
  5. Prüfe Bilder und Videos: Gibt es Hinweise auf Manipulationen? Führe eine umgekehrte Bildersuche durch («ähnliche Bilder»), um zu erfahren, ob die Bilder bereits in anderem Kontext gezeigt wurden. Es kann durchaus sein, dass die Bilder in einem ganz anderen Kontext entstanden sind, als angegeben.
  6. Achte auf das Layout und den Stil: Unprofessionelles Layout und fehlerhafte Texte sind Hinweise auf unseriöse Berichterstattung. Allerdings professionalisieren sich auch die MacherInnen von «Fake News».
  7. Informiere dich fortlaufend in etablierten, seriösen Medien: So bist du besser über das Weltgeschehen im Bild und wirst nicht so leicht zum Opfer von Falschinformationen.
  8. Schütze deine Nutzungsdaten, wo du kannst. Informiere dich über Möglichkeiten, deine Datenspur im Netz so gut es geht zu reduzieren. Nimm nicht an Fragebogentests im Internet teil, sie können es erleichtern, ein genaues Profil von dir zu erstellen.
  9. Unterscheide zwischen Fakten und Vermutungen und Meinungen: Was bleibt stehen?
  10. Setze dich für den Datenschutz ein. Je mehr Daten über die Menschen verfügbar sind, desto leichter ist es, diese nach ihren Ängsten, Bedürfnissen, Vorlieben usw. einzuordnen und ggf. auch zu manipulieren.

Kontakt

Dr. Christoph Eisemann, Dozent für Wirtschaftskommunikation
christoph.eisemann@fhnw.ch

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