«Alexa, hör auf!»

Automatisierung begeistert, hilft, verunsichert, verängstigt. Am 6. Wirtschaftsforum Olten wurden von technischen Definitionen bis zu philosophischen Betrachtungen verschiedene Aspekte der Automatisierung und deren Auswirkungen auf die Schweiz beleuchtet.

Bestsellerautor Wilhelm Schmid philosophierte darüber, wie der Mensch mit der digitalen Transformation umgehen sollte. Mit: «Alexa hör auf!» brachte er es auf den Punkt, dass es Sache des Menschen bleibt, zu programmieren. Denn kreativ sind Menschen, nicht Maschinen. Und sobald ein Mensch den Stecker zieht, heisst es: «Und Alexa hört auf»!

Dass die dritte industrielle Revolution Menschen und Politik herausfordert, blieb unbestritten. Doch Beat Kappeler, Wirtschaftsjournalist und Autor erklärte sich davon nur «moderat verängstigt». Während Arbeitsplätze eingespart werden, werden neue geschaffen, da die neue Technik auch Pflege braucht. Ausserdem ermöglicht es die steigende Produktivität, Arbeitsplätze wieder in die Schweiz zurückzuholen. Dieser Aspekt wurde auch in den Workshops wiederholt betont. Die wahren Gefahren sah Kappeler nicht in neuen Technologien, sondern in der falschen Politik, zum Beispiel in fehlenden Anreizen zur Wiederaufnahme der Arbeit, unnötiger Zölle und Schutzgesetzen oder dem Ausnutzen von Vormachtstellungen durch technologischen Vorsprung.


Von links nach rechts: Roman Schafer (Digital ABB), Stefan Gempeler (Valiant Bank), Markus Krack (Hochschule für Technik FHNW), Sonja Hasler (Moderatorin), Wilhelm Schmid (Bestsellerautor), Beat Kappeler (Wirtschaftsjournalist), Jens Eckstein (Universitätsspital Basel), Ruedi Nützi (Hochschule für Wirtschaft FHNW) (Foto: Michele Canonico).

«Automatisierung ist so alt wie die Menschheit»

Die Angst vor der Automatisierung vertrieb Markus Krack, Hochschule für Technik FHNW, mit der Feststellung, das Automatisierung nichts Neues sei. Als Beispiel nannte er das raffinierte Bücherleserad des Militäringenieurs Ramelli aus der Renaissance. „Automatisierung nennt man denn auch alle Massnahmen zum völlig oder teilweise selbstständigen Ablauf von Prozessen, die nach einem vorher erstellten Programm ohne Eingreifen des Menschen selbständig gesteuert werden.“

Die moderne Automatisierung, kombiniert mit Digitalisierung greift aber auch in empfindliche Bereiche des Menschen ein. Jens Eckstein, Leiter Klinische IT am Universitätsspital Basel, erläuterte unter anderem den Aspekt «Schutz von Patientendaten». Einen Mehrwert bringen digitale Systeme aber durchaus bei der Entscheidungsfindung für eine Behandlung. Diese Systeme können auf das Wissen von tausenden von Fachartikeln zurückgreifen, die für Menschen gar nicht mehr abrufbar und verwertbar sind.

Menschen und Roboter im Alltag

Wie Mensch und Roboter Seite an Seite arbeiten und wie Roboter von Menschen lernen, demonstrierten sowohl Roman Schafer, Head of Operations, Digital ABB als auch Lucien Baumgartner, Leiter Human Resources bei der Trisa AG. Der Zweiarmroboter YuMi® arbeitet zusammen am Produktionsband mit Menschen. Den First-Level-Support für YuMi® leisten die „Kollegen“ am Band. Dank der Automatisierung ist es laut Baumgartner möglich, die Produktion vollumfänglich in der Schweiz zu behalten und somit Arbeitsplätze zu sichern. Die neue Partnerschaft Mensch – Roboter bedinge aber eine Entwicklung der Firmenkultur und vor allem die Schulung und Information der Mitarbeitenden.

Umbau oder Neubau der Bankenwelt?

Stefan Gempeler, Leiter Produkte und Operations bei der Valiant Bank AG, ging dem Grundproblem der Finanzdienstleister nach: „Wie können Risiko-averse Banken, mit gewachsenen Geschäftsmodellen und trägen Prozessen, gegen Technologie-getriebene Startups bestehen?» Zweifellos müssten Prozesse agiler gestaltet werden ohne die bestehenden Kompetenzen aufzugeben. Im Endeffekt hiesse es: «Umbau und Neubau kombinieren und lieber das eigene Geschäftsmodell kannibalisieren, bevor es ein Konkurrent oder Startup tut.»

Das 6. Wirtschaftsforum Olten fand am 5. September 2018 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW statt. Die Präsentationen und Workshop-Unterlagen stehen auf der Website zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Website Wirtschaftsforum

Kontakt:

Barbara Frey

barbara.frey1@fhnw.ch

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