Prof. Dr. Oliver Bendel zum wissenschaftlichen Leiter des nächsten Berliner Kolloquiums ernannt

Der Maschinen- und Informationsethiker der FHNW leitet das Kolloquium 2019 zum Thema “Roboter in der Pflege”. Im Interview gibt er Auskunft über die Themenschwerpunkte der kommenden Veranstaltung.

Das Berliner Kolloquium der Daimler und Benz Stiftung bringt jedes Jahr Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen. Sie diskutieren öffentlich verschiedene gesellschaftlich relevante Themen unter Einbezug des aktuellen Forschungsstands. Das Thema des nächstjährigen Kolloquiums lautet “Roboter in der Pflege”. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW beschäftigt sich als Maschinen- und Informationsethiker mit Fragen der Robotik und der Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Prof. Dr. Bendel, was sind Ihre Aufgaben als wissenschaftlicher Leiter des nächsten Berliner Kolloquiums?

Oliver Bendel: Die Daimler und Benz Stiftung führt das Berliner Kolloquium seit über 20 Jahren durch. Es ist zu einer wichtigen Veranstaltung geworden, mit einer Strahlkraft weit über Berlin hinaus. Man widmet sich aktuellen Fragen, die eine besondere Bedeutung für die Gesellschaft haben. Als wissenschaftlicher Leiter des Berliner Kolloquiums 2019 bestimme ich die Schwerpunkte innerhalb des Themas “Roboter in der Pflege”, wähle die Referenten aus und lade sie ein. Ich halte den Eröffnungsvortrag und bin während des ganzen Tages präsent. Zudem koordiniere ich das Sonderheft, das in Zusammenarbeit mit einer renommierten populärwissenschaftlichen Zeitschrift entsteht.

Was bedeutet diese Ernennung für Sie persönlich und beruflich als Wissenschaftler?

Ich war bereits 2017 wissenschaftlicher Leiter beim Ladenburger Diskurs im Carl-Benz-Haus. Es ging ebenfalls um Roboter in der Pflege. Das Buch zu dieser Veranstaltung mit dem Titel “Pflegeroboter” erscheint im Herbst bei Springer. Die Daimler und Benz Stiftung lässt mir Freiheit und gibt mir Unterstützung. Ich bin froh, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit fortgeführt werden kann, und erfahre als Person und als Wissenschaftler hohe Wertschätzung.

(Anm. d. Red.: Die Ladenburger Diskurse sind ein Forum der Daimler und Benz Stiftung, an dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Stand der Forschung zu ausgewählten Fragen austauschen und klären, ob sich eine Fragestellung als Forschungsthema für das Förderprogramm der Stiftung eignet.)

Das Berliner Kolloquium richtet sich, anders als der Ladenburger Diskurs, bei dem im geschützten Raum gearbeitet wird, an die interessierte Öffentlichkeit. Es werden Wissenschaftler, Studenten, Politiker, Journalisten und Bürger zugegen sein. Der Teilnehmerbeitrag ist so gehalten, dass jeder kommen kann. Ich mag übrigens beides, den geschützten und den öffentlichen Raum.

Für mich ist das Berliner Kolloquium auch ein wichtiger Baustein in meiner Tätigkeit. Meine Schwerpunkte sind, neben Anwendungsfeldern der Wirtschaftsinformatik, die Informationsethik und die Maschinenethik. Diese beiden Perspektiven werde ich in meinem Eröffnungsvortrag einnehmen. Bereits im Herbst bin ich erneut im Deutschen Bundestag, wiederum mit diesem Thema und wiederum mit diesen beiden Perspektiven.


“Was bedeutet es, nicht von einem Pfleger berührt zu werden, sondern von einer Maschine?” Diese und andere Fragen will Prof. Dr. Oliver Bendel am nächsten Berliner Kolloquium diskutieren (Foto: Kai R. Joachim).

Wie steht es um die Aktualität des Themas “Roboter in der Pflege”? Welche Punkte möchten Sie am Kolloquium diskutieren?

Roboter in der Pflege liegen mehrheitlich als Prototypen vor. Es gibt allerdings erste Produkte, die testweise eingesetzt werden. Ich habe im Sommer ein Schweizer KMU besucht, das sehr weit in diesem Bereich ist. Es stellt ein- und zweiarmige Roboter her, die in Pflege und Therapie verwendet werden.

Wir werden das Thema in Berlin aus technischer, wirtschaftlicher, medizinischer, pflegerischer und ethischer Perspektive beleuchten. Dabei ist mir wichtig, dass die Referentinnen und Referenten konkret werden. Soll der Pflegeroboter menschen- oder tierähnlich aussehen? Soll er sprechen können? Was bedeutet es, nicht von einem Pfleger berührt zu werden, sondern von einer Maschine? Rechnet sich der Einsatz eines Roboters in der Pflege? Solchen Fragen gehen wir nach.

Was ist der Mehrwert einer solchen Veranstaltung für die Forschung und die Gesellschaft als Ganzes?

Es findet ein Wissenstransfer von der Forschung in die Gesellschaft statt, mit der Veranstaltung und mit dem Sonderheft. Wir erreichen damit hunderttausende Menschen im ganzen deutschsprachigen Raum. Für den Ladenburger Diskurs hatte ich mehrere Wissenschaftler aus der Schweiz angefragt. Dieses Mal werde ich das wieder tun. Das erwähnte Robotikunternehmen hat bereits die Teilnahme zugesagt. So profitieren auch unsere Forschung, Gesellschaft und Wirtschaft.

Wir gratulieren Prof. Dr. Bendel zu seiner Rolle als wissenschaftlicher Leiter und werden im Frühjahr 2019 über die Diskussionen am Berliner Kolloquium zum Thema “Roboter in der Pflege” berichten.

Weitere Informationen

Webseite des Berliner Kolloquiums

Prof. Dr. Bendels Blogs:
www.informationsethik.net
www.maschinenethik.net

Kontakt

Prof. Dr. Oliver Bendel

oliver.bendel@fhnw.ch

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