Wie WhatsApp die Gesundheitsversorgung in Afrika unterstützt

Social Media ist mehr als Selfies und Katzen-Gifs. In Entwicklungsländern können die niederschwelligen Kommunikationsmedien die professionelle Vernetzung und den Wissensaustausch massgeblich fördern.

Das Projekt Social Media 4 Health Professionals (#SM4H) des learning.lab der Hochschule für Wirtschaft FHNW untersucht, wie WhatsApp in der Arbeit von Gesundheitsfachleuten in ländlichen Gegenden Afrikas eingesetzt werden kann. Messenger-Apps wie WhatsApp sind in Entwicklungsländern mit schwacher Infrastruktur nicht zuletzt deshalb verbreitet, weil sie auch mit relativ geringer Datenbandbreite funktionieren. So können die grossen räumlichen Distanzen überbrückt werden

#SM4H ist Teil des Swiss Programme for Research on Global Issues for Development der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und des Schweizer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (SNF).


Dr. Christoph Pimmer (Mitte) mit dem Management Board des College of Medicine, University of Ibadan (Foto: #SM4H).

Die Forschungsergebnisse des von Dr. Christoph Pimmer und Prof. Urs Gröhbiel geleiteten Projekts indizieren, dass WhatsApp das beliebteste berufliche Kommunikationsmittel für Pflegepersonal in Nigeria, Sambia und Südafrika ist. Es wird dort z.B. für das Management von verteilten Teams, Medikamentenlogistik oder zur Weiterbildung eingesetzt. Experimente mit mehr als tausend Teilnehmenden haben zudem gezeigt, dass die gezielte Nutzung dieser Plattform zu einem Wissenszuwachs bei wichtigen fachlichen (klinischen) Themen und zu einer stärkeren beruflichen Vernetzung des Gesundheitspersonals führt.

E-Learning und Guidelines

Eliane Blumer engagiert sich im Rahmen ihrer Master-Arbeit für das Projekt. Aus den Ergebnissen der Fokusgruppen und einer Analyse der bestehenden Forschung zum Thema arbeitet sie einen Leitfaden für die Benutzung von WhatsApp im Gesundheitsbereich aus, der zum einen die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe adressiert, zum anderen aber auch mit etablierten Forschungsergebnissen den bestehenden Herausforderungen der Kommunikation über Social Media begegnet. Diese Guidelines werden den Teilnehmenden in Afrika als E-Learning-Modul zur Verfügung gestellt. Zusätzlich zur technischen und medialen Dimension kommt also auch eine didaktische Fragestellung hinzu.

Wie alle, die sich mit dem Thema Social Media beschäftigen, kommt auch das Projektteam von SocialMedia4Health nicht um die Problematik der sogenannten “Fake News” herum. Halbwahrheiten und Falschmeldungen können gerade im Gesundheitsbereich lebensgefährlich sein. Deshalb ist eine der grossen Herausforderungen, die Teilnehmenden diesbezüglich zu sensibilisieren damit sie erkennen können, welche Meldungen vertrauenswürdig sind und welche nicht.


WhatsApp kann ein wichtiger Teil des Arbeitsalltags im Gesundheitsbereich im ländlichen Afrika sein (Foto: Christoph Pimmer).

Eliane fand bei #SM4H genau die richtige Themenkombination vor, um sie für das Projekt zu begeistern. “Ich wusste, ich will etwas mit E-Learning und im Gesundheitsbereich machen. Das kommt meinem Bachelor-Studium in Informationswissenschaften entgegen und meiner Arbeit als Fachreferentin an der EPFL Library im Bereich Life Sciences, ist aber trotzdem neu genug, um mich herauszufordern.”

Und was bringt eine Studentin, die in Lausanne wohnt und arbeitet, in die Nordwestschweiz? “Der MSc in Business Information Systems ist der einzige, der flexibel genug ist, damit ich nebenbei meiner Arbeit nachgehen kann. Und es ist der einzige Schweizer Studiengang seiner Art, der komplett in Englisch angeboten wird. Das waren die ausschlaggebenden Faktoren.”

Wir wünschen Eliane viel Erfolg bei ihrer Masterarbeit und sind gespannt auf die Resultate des #SM4H-Projekts.

Weitere Informationen

Webpage #SM4H

Kontakt

Dr. Christoph Pimmer

christoph.pimmer@fhnw.ch

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