Swiss China Update 2018 – China Strategie nach Schweizer Art

Nach 40 Jahren Reform und einem exponentiellen wirtschaftlichen und technologischen Wachstum fordert China Europa, die USA und auch die Schweiz heraus. Braucht die Schweiz darum dringend eine China Strategie? Um diese Frage zu diskutieren, trafen sich am 21. Juni 2018 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Olten.

Botschafter Johannes Matyassy, Abteilung Asien Pazifik des EDA, stellte vor den 180 Teilnehmenden klar, dass es sehr wohl eine (Asien-) Strategie des Bundes gibt. Dass diese wenig bekannt sei, liege vermutlich daran, dass es bisher zu wenig Anlässe wie das Swiss China Update gebe. Botschafter Matyassy vertrat in seinem Referat den Standpunkt, dass das föderalistische Vorgehen der Schweiz – im Gegensatz zum zentralistischen in China – unsere Kultur und verinnerlichten Werte repräsentiert und sehr wohl eine Stärke darstellt: Der Bund gibt den Rahmen vor und innerhalb dieses Rahmens können sich alle Akteure in der Schweiz frei bewegen. Es brauche aber mehr Wissen über China und eine verstärkte Koordination im Umgang mit China.

Prof. Dr. Ruedi Nützi, Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW, eröffnete den Anlass, der als „Update“ eine Wissens- und Netzwerkplattform für die Schweiz bieten und somit Möglichkeiten für eine verstärkte Koordination schaffen soll.

“Wir müssen an unsere Stärke glauben!” Botschafter Johannes Matyassy am Swiss China Update 2018 (Video: Florian Schönmann). Achtung: Video lädt nicht im Internet Explorer!

Chancen und Herausforderungen

In drei Foren wurde intensiv die Frage diskutiert: Wie sollen die Schweizer Protagonisten (KMU, Städte, Kantone) in Zukunft in China bzw. mit chinesischen Partnern umgehen?

Im Wirtschaftsforum tauschten Schweizer KMU Erfahrungen und Perspektiven aus. Fazit: eine Zusammenarbeit mit chinesischen Akteuren ist möglich, stellt aber im Moment nur für gut aufgestellte Firmen eine Chance dar.

Im Tourismusforum erfuhren die Teilnehmenden am Fallbeispiel Luzern, wie die Stadt mit ihren chinesischen Gästen umgeht. Fazit: Für den Tourismus steht ein Wechsel von Gruppenreisen zum mehr Individualreisen an. Damit dies aber geschehen kann, sind technische Entwicklungen nötig, zum Beispiel die Einführung von chinesischen Bezahlsystemen wie Alipay oder WeChat Pay.


Geballte China-Expertise: Prof. Dr. Ruedi Nützi, Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW, und Botschafter Johannes Matyassy (Foto: Wolf Fotografie Olten).

Das Partnerschaftsforum beschäftigte sich mit regionalen Schweizer Partnerschaften mit chinesischen Städten und Provinzen. Fazit: Es braucht keine weiteren allgemeinen Absichtserklärungen (MoU) mehr, sondern konkrete Projekte.

Bedarf nach koordiniertem Austausch

In der abschliessenden Panel-Diskussion mit Dr. Thomas Wagner, Ehrenpräsident der Gesellschaft Schweiz-China, Prof. Dr. Xinhua Wittmann, Chinaexpertin und Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, Marcel Perren, Tourismusdirektor Luzern und Peter Gehler, Leiter Pharmapark Siegfried AG wurde nochmals die Frage gestellt: Braucht die Schweiz eine China Strategie? Fazit: Nicht unbedingt, aber sicherlich mehr koordinierten Austausch wie am Swiss China Update und vor allem eine Task Force, die Projekte wie die „Seidenstrasse“ oder „Made in China“ eng begleitet.

Das nächste Swiss China Update findet am 19. Juni 2019 statt.

Weitere Informationen

Webseite Swiss China Update 2018

Kontakt

Sandra Bachmann

sandra.bachmann@fhnw.ch

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