“Die Arbeit in der Medizin wird sich massiv verändern”

PD Dr. med. Dr. phil. Jens Eckstein ist leitender Arzt am Universitätsspital Basel. In dieser Funktion begegnet er täglich Neuerungen, welche die Digitalisierung der Medizin und der Arbeitsabläufe im Spitalwesen mit sich bringt. Am Wirtschaftsforum bietet Herr Eckstein einen Workshop mit dem Titel “Automation in der Medizin” an.

Portrait von Jens EcksteinAm Wirtschaftsforum der Hochschule für Wirtschaft FHNW am 5. September 2018 in Olten diskutieren Wirtschaftsvertreter über das Thema “Wirtschaft 4.0: Was bedeutet Automatisierung für Schweizer Unternehmen?” Wir haben uns im Vorfeld mit Herrn Eckstein über die Bedeutung von Digitalisierung und Automation in der Medizin unterhalten.

Herr Eckstein, Ihr Workshop behandelt das Thema “Automation in der Medizin”. Auf welche konkreten Entwicklungen werden Sie eingehen?

Jens Eckstein: Ich werde anhand von Beispielen aufzeigen, wie der Prozess der Digitalisierung in unserem Universitätsspital voranschreitet. Dabei ergeben sich eine Vielzahl neuer Möglichkeiten und gleichzeitig Fragestellungen, die zuvor nicht präsent waren und eine Lösung erfordern. Ein solcher Schwerpunkt ist zum Beispiel die Frage, wessen Eigentum die im Laufe einer Untersuchung erhobenen Daten sind und wie damit umgegangen wird. Ich werde auch auf ganz konkrete Projekte eingehen, die wir derzeit für unsere Patienten entwickeln. Dabei spielt die sehr enge Zusammenarbeit zwischen Klinikern, ICT und externen Entwicklern eine entscheidende Rolle. Ein Teil der aktuellen Entwicklungen wird auch dazu führen, dass die „Ortsbindung“ medizinischer Leitungen zunehmend verschwindet und wir unseren Patienten auch dann zur Verfügung stehen, wenn sie zuhause oder tausende Kilometer entfernt sind.

Die Digitalisierung in Unternehmen ist ein viel diskutiertes Thema. Aber welche Bedeutung haben Digitalisierung und Automation in der Medizin?

Nicht selten wird unter Digitalisierung der Transfer der Dokumentation von Papier auf digitale Medien verstanden. Es geht aber um viel mehr. Eine digitale Dokumentation allein bringt nur einen begrenzten Mehrwert und spart auch nur in den seltensten Fällen Zeit und Ressourcen. Einen wirklichen Mehrwert erreichen wir, wenn wir die digitalen Daten nutzen, um damit Behandlungspfade zu definieren und Decision Support Systeme zu verknüpfen. Wir werden smarte Algorithmen benötigen, um die wachsende Menge von Daten pro Patient optimal nutzen zu können um Prognosen zu erstellen und Behandlungen zu empfehlen. Es ist derzeit tatsächlich ein Umbruch in der Arbeitsweise spürbar, der die Arbeit in der Medizin massiv verändern wird. Das sollte aber kein Grund zur Beunruhigung sein, sondern mit Neugierde und Fachwissen begleitet werden. Am Ende, davon bin ich überzeugt, wird diese Entwicklung vermehrt dahin führen, dass wir als Behandlungsteam für den Patienten als Gesprächspartner zur Verfügung stehen.

Wer sollte Ihren Workshop besuchen?

Mein Workshop richtet sich an neugierige Menschen aller Berufsgruppen, die sich für die aktuellen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung in Klinik und ambulanter Medizin interessieren. Mein Ziel ist es, Beispiele aufzuzeigen anhand von Projekten, die wir bereits umsetzen und solchen, die in Planung sind. Dazu möchte ich nicht nur Informationen liefern, sondern auch Fragen, die wir uns stellen, aufwerfen und diskutieren. Wahrscheinlich werden wir dabei keine abschliessenden Antworten finden, aber ein Ziel wäre erreicht, wenn die Teilnehmenden mit einer interessanten Frage im Kopf die Heimreise antreten und noch ein paar Tage darüber nachdenken.

Weitere Informationen und Anmeldun

Website Wirtschaftsforum

Kontakt

Barbara Frey

barbara.frey1@fhnw.ch

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