Wie kostenlose Lehr- und Lernmittel Chancen verbessern

Das learning.lab der Hochschule für Wirtschaft FHNW und der Verein „Lernen für alle“ hatten Interessierte zur Diskussion über kostenlose digitale Lehrmittel eingeladen.

Fachleute, Forschende und Studierende erörterten am 19. Oktober 2017 in Basel Möglichkeiten des Einsatzes von sogenannten Open Educational Resources (OER). Wie können Lehrkräfte und Hilfslehrkräfte die Fähigkeiten entwickeln, partizipatives Lernen unter Einsatz von OER zu fördern? Welche technische Infrastruktur ist nötig und kann nachhaltig betrieben werden? Wie werden OER von hoher Qualität identifiziert und in Unterricht sowie Coaching integriert? Diese und weitere Fragen wurden anhand eines Pilotprojekts in Zimbabwe des Vereins „Lernen für alle“ (www.l4a.ch)  sowie einer Projektidee für Geflüchtete in Basel diskutiert.


Klarsicht: Bessere Chancen dank digitalen Lehrmitteln  (Foto: Fotostudio Gianni Groppello)

Als Grundlage für die Diskussion diente ein Projekt, das vom Verein Lernen für alle (L4a) im Sommer in Matabeleland in Zimbabwe lanciert worden ist. Das L4a-Team zeigte auf, wie es Lehrpersonen in einem zweiwöchigen Workshop dabei begleitete, den eigenen Unterricht kritisch zu reflektieren und persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren. Am Schluss des Workshops beschrieb jede Lehrperson eine bis zwei konkrete Massnahmen, die sie in den nächsten Monaten zur Förderung partizipativen Lernens ausprobieren will.

Lokal gespeicherte Daten und Stromversorgung essentiell

In der Diskussion über den Einsatz von Tablet-PCs und einem lokalen Server mit OER Sammlungen und einer Lernplattform wurde unter anderem die hohe Bedeutung von lokal gespeichertem Content und alternativer Stromversorgung betont. Miranda Ritschard, Bachelor-Absolventin der Hochschule für Wirtshaft FHNW, die sich intensiv mit OER Suchstrategien auseinandergesetzt hat, zeigte auf, wie die Lehrpersonen in die Suche und Selektion guter OER eingeführt wurden.

Pilotprojekt in Zimbabwe zur Erhöhung der Abschlussquote

Nur 5-20% der 500 Schülerinnen und Schüler der Mpumelelo High School schlossen früher erfolgreich ab.  Durch Zugang zu OER soll nun die Abschlussquote innerhalb von zwei Jahren markant erhöht werden. Dafür wird L4a zusammen mit einem lokalen Lehrerseminar (Teacher Training College mit Diplomabschluss) Lehrpersonen gezielt schulen und begleiten. Dabei kommen auch freiwillige Schweizer Lehrpersonen zum Einsatz, die ihre KollegInnen und Kollegen in Zimbabwe via WhatsApp voraussichtlich in einem Einsatz im Herbst 2018 unterstützen werden.


Kuda Imholz schildert den kulturellen und politischen Kontext, in dem das Projekt stattfindet (Foto: Fotostudio Gianni Groppello)

Deutschkurse als Beitrag zur Integration von Geflüchteten

Die Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der Integration. Zur Unterstützung von Deutschlernangeboten für Geflüchtete in Basel wurde eine Projektskizze vorgestellt und vertieft. Das Projekt will OER auf einer Plattform bereitstellen, die das selbstgesteuerte Lernen sowie die Lernbegleitung durch pädagogische Laien unterstützt. Mehrere Organisationen, die mit Freiwilligen arbeiten, wie das Schweizerische Rote Kreuz, Quartiervereine und kirchliche Hilfsangebote haben bei einer Bedürfnisanalyse grosses Interesse an einem solchen Angebot bekundet. In einem nächsten Schritt wird zusammen mit diesen Nutzergruppen das Projektvorhaben konkretisiert.

Der Anlass bot neben der fachlichen Auseinandersetzung Gelegenheit zum Austausch und zur Auseinandersetzung mit Zimbabwe . Neben kurzen Präsentationen mit anschliessender Diskussion kamen die Teilnehmenden auch in den Genuss eines für Zimbabwe typischen Gerichts und konnten Steinskulpturen ersteigern.

Weitere Informationen

https://www.l4a.ch/projekte/

Kontakt

Prof. Dr. Urs Gröhbiel, Dr. Christoph Pimmer
urs.groehbiel@fhnw.ch, christoph.pimmer@fhnw.ch

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