Wie weit sind Schweizer Behörden bezüglich Cloud-basierten Lösungen?

Digitale Transformation erfasst nicht nur Unternehmen, auch Politik und Behörden müssen sich auf eine digitale Zukunft vorbereiten und neue Schnittstellen zu Bürgern und Unternehmen schaffen. Dies war das Fazit am 2. GovCloud Day am 25. November an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten.

Österreich hat die digitale Transformation schon in weiten Teilen landesübergreifend verwirklicht, wie Christian Rupp von der Plattform “Digitales Österreich” im Bundeskanzleramt eindrücklich demonstrierte. Über die persönliche Gesundheitskarte oder die Handysignatur hat jeder Bürger Österreichs eine eIdentity. Mit dieser können nicht nur Krankenakten sondern zum Beispiel auch Steuer- und andere Amtsbescheide elektronisch eingesehen werden. Mit einer halben Million Nutzer und täglich ca 10 000 Anwendungen wurde bereits eine beachtliche Akzeptanz erreicht.

GovCloud 2015_1

Christian Rupp von der Plattform “Digitales Österreich” im Bundeskanzleramt über die Einsparungen durch Digitalisierung (Fotos: Benjamin Lammel)

Mittels Briefbutler und eIdentity werden in Österreich amtliche Dokumente elektronisch rechtssicher zugestellt. Die gegenüber der konventionellen Zustellung eingesparten Kosten (-60%) werden dem Bürger gutgeschrieben. Die grösste Kostenersparnis durch Digitalisierung sah Rupp aber in der internen Verarbeitung von Dokumenten. Dadurch dass 1800 Behörden in einem einzigen elektronischen Aktenregister arbeiten, verschlanken und verbilligen sich die Prozesse. Auch bisher aufwendige Volkszählungen werden quasi per Mausklick aus dem Register heraus erstellt.

Etwas weniger weit ist Deutschland: Eine Studie der BearingPoint zeigt auf, dass zwar 69% der Befragten aus öffentlichen Verwaltungen mit dem Cloud Computing Modell vertraut sind, aber erst 32% auch interessiert daran sind, die Cloud zu nutzen. Gemäss Pascal Färber, Manager bei BearingPoint, ist Fremdbezug von IT-Leistungen ein akzeptiertes Sourcing-Modell der öffentlichen Verwaltung, werden doch heute schon 78% der IT-Dienstleistungen ausgelagert. Allerdings erst 7.5% in die Cloud.

Über die Digitalisierung der Schweizer Behörden ist weniger bekannt. Eine Erhebung der Bedürfnisse und eine verstärkte Aufklärung über Chancen und Risiken der Cloud sind nötig um die digitale Transformation der Behörden voranzutreiben. Datensicherheit und -schutz, Rechtssicherheit, Kosten und Transformation von Geschäftsabläufen waren in verschiedenen Vorträgen und auch im abschliessenden Panel des GovCloud Days Diskussionspunkte.

GovCloud 2015_2

Die Diskussionsrunde: v.l. Patric Derungs (IT Leiter Gemeinde Bülach), Peter Camenzind (Schweizerischer Gemeindeverband), Cyril Hollenstein (Microsoft), Carmen de la Cruz (delacruz beranek Anwälte), Pascal Färber (BearingPoint)

Tobias Bollinger, Leiter Swiss Cybercrime Coordination Unit (CYCO) erwartet einen Anstieg der Kriminalität im Netz und der Cloud. Bankdaten und Passwörter stehen dabei im Vordergrund. Für Unternehmen aber auch Behörden bedeutet dies, dass Datensicherheit höchste Priorität haben muss. Er wies auch darauf hin, dass Vorfälle nicht verheimlicht werden sollten, da nur eine Meldung an die KOBIK (Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität) entsprechende Untersuchungen einleiten kann, die zum Ausbau von Sicherungsmassnahmen führen. Cyril Hollenstein, Microsoft Schweiz GmbH beeindruckte durch die Zahl von 1 Mia $ pro Jahr, die Microsoft allein für Cybersecurity einsetzt.

Der GovCloud Day findet im Rahmen der Swiss Cloud Initiative statt.

Kontakt
Prof. Dr. Stella Gatziu-Grivas, stella.gatziugrivas@fhnw.ch

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.