China bietet für Schweizer KMU beste Chancen

Rund 110 KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer haben sich am Dienstagabend, 29. April in der Mittenza in Muttenz mit 24 Kolleginnen und Kollegen aus der Volksrepublik China zum Erfahrungsaustausch getroffen. Das erste KMU Forum China der Wirtschaftskammer Baselland und der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigte klar auf: Gerade für KMU eröffnen sich in China neue Geschäftsfelder und Märkte – sofern sie einige kulturelle Besonderheiten beachten.«Das Freihandelsabkommen Schweiz – China ist für unser Land eines der wichtigsten Handelsabkommen der vergangenen Jahre», sagte Christian Etter, Delegierter des Bundesrats für Handelsverträge, am Dienstagabend am ersten KMU Forum China der Wirtschaftskammer Baselland und der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in der Mittenza in Muttenz vor rund 130 Gästen. Demnach ist China heute schon für die Schweiz der drittgrösste Handelspartner bei Ex- und Importen – direkt hinter der EU und den USA. Entsprechend weit gefächert sei das Freihandelsabkommen mit China, so Etter. Es umfasse zum Beispiel Waren, Zölle, nicht tarifäre Handelshemmnisse und Dienstleistungen. Zudem beinhalte es Regelungen in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums, aber auch Bestimmungen bezüglich Umweltschutz.

KMU Forum 2014

v.l: Xinhua Wittmann, Bruno Keller, Daniel Bärlocher, Christian Etter, Christophe Eggenschwiler, Michael Brüderli, Christoph Buser; Foto: Uwe Pieles

Wie dynamisch sich die Wirtschaft in China derzeit entwickelt, erläuterte FHNW-Professorin Xinhua Wittmann: «Bis im kommenden Jahr werden wir in China 240 Flugplätze haben – heute sind es noch 170.» Die grössten Chancen für Schweizer KMU in China ortet Xinhua Wittmann in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Lebensmittel, Umwelttechnik und Software. Allerdings dürften die Herausforderungen nicht unterschätzt werden. «Das Lohnniveau steigt, Fachkräfte sind noch rar und die Zeit für die Suche nach einem geeigneten Standort darf nicht unterschätzt werden», so Xinhua Wittmann.

Mit Spannung erwarteten die Gäste – unter ihnen auch die Baselbieter Nationalrätin Daniela Schneeberger und der ehemalige Baselbieter Regierungsrat Jörg Krähenbühl – die Erfahrungsberichte von Schweizer KMU in China. Professor Bruno Keller, Verwaltungsratspräsident von Keller Technologies, einem auf nachhaltige Bauten spezialisierten Unternehmen, betonte die Wichtigkeit, in China vertrauenswürdige Partner zu finden. Präzision und Qualitätssicherung müssten vielfach erst aufgebaut werden und Projektmanagement sei für viele Chinesen «ein Fremdwort». Im Gegenzug sei man dafür in China sehr flexibel.

Während Keller Technologies schon seit 15 Jahren in China tätig ist, wagt die mittelständische Suteria Chocolata AG diesen Schritt erst jetzt. Ausschlaggebend für die Expansion ist laut Geschäftsführer Michael Brüderli unter anderem, dass der Schokolademarkt in China wenig bearbeitet und noch nicht so gesättigt sei wie im Westen.

Auch der Nordwestschweizer Milchverarbeitungsbetrieb MIBA sieht laut deren Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler in China vor allem die Möglichkeit der geografischen Diversifikation. Aufgrund seiner Lage im Dreiländereck sei das Unternehmen schon von Grund auf offener für ein Auslandengagement als andere Betriebe. In China werde es in Kürze rund 600 Millionen Mittelständler geben, griff Eggenschwiler eine Zahl auf, die Xinhua Wittmann zuvor genannt hatte. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen.

Auch Daniel Bärlocher, General Manager des Babynahrungsherstellers BIMBOSAN, betonte dieses Potenzial. Hinzu komme, dass Chinesen ihren Kindern nur das allerbeste geben wollen. Aufgrund der in letzter Zeit bekanntgewordenen Lebensmittelskandale im Reich der Mitte sieht Bärlocher gute Chancen, mit qualitativ hochwertigen Produkten zum Erfolg zu kommen. Der Markt scheint ihm recht zu geben: In China kostet eine Dose des Hauptprodukts von BIMBOSAN zweieinhalb Mal so viel wie in der Schweiz.

Das KMU Forum China wurde von der Wirtschaftskammer Baselland in Partnerschaft mit der Hochschule für Wirtschaft FHNW ins Leben gerufen, um einerseits den direkten Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aus China zu pflegen und andererseits von den Erfahrungen zu profitieren, die Schweizer KMU in der Volksrepublik machen und machten. Zwischen der FHNW und China gibt es schon seit langem einen regen Austausch. So konnte im vergangenen August mit Unterstützung der Regierung in Harbin im Nordosten Chinas ein FHNW-Ableger geschaffen werden, wie Professor Ruedi Nützi, Direktor der Hochschule für Wirtschaft der FHNW, ausführte.

Die FHNW gehe aus Sicht der Wirtschaftskammer mit ihren China-Aktivitäten in die richtige Richtung. «Diese Aktivitäten – und dieses erste KMU Forum China heute Abend – tragen dazu bei, dass sich für unsere KMU neue Perspektiven eröffnen», sagte Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. Dies entspreche auch der Zielsetzung der Wirtschaftskammer. «Wenn die KMU-Wirtschaft für solche neuen Perspektiven offen ist, werden wir auch in Zukunft Erfolg haben. Davon bin ich überzeugt», so Buser.

Kontakt
Gabriela Rüegg, gabriela.rueegg@fhnw.ch

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