WLAN: Welche Entwicklungen sind geplant?

WLAN steht für Wireless Local Area Network und ermöglicht kabellose Verbindungen auf eine Distanz bis maximal 300 Meter im Umkreis eines Access Points. WLAN gibt es mittlerweile seit rund dreissig Jahren und ist eine riesige Erfolgsgeschichte. Auf Basis einer Schätzung von Cisco kann davon ausgegangen werden, dass weltweit gegen 100 Mio. Access Points im Einsatz sind. In der heutigen vernetzten Welt ist WLAN eine der Schlüsseltechnologien, aber auch ein Sicherheitsrisiko, da ein drahtloses Netzwerk grundsätzlich nicht sicher ist. Aus diesem Grund sind adäquate Sicherheitsvorkehrungen zwingend zu treffen, sei dies in der Benutzung eines öffentlichen WLAN, beim WLAN zu Hause oder bei der Entwicklung eines umfangreicheren Firmennetzwerkes. Dabei sind der Authentifizierungsmechanismus sowie die Datenverschlüsselung die Kernthemen. Bei der Verschlüsselungsmethode wird meist WPA2 (WiFi Protected Access Version 2) angewendet, noch besser wäre WPA3, die bekannte Sicherheitslücken von WPA2 geschlossen hat.

Aktueller WLAN-Standard

Die Standards für WLAN werden durch die IEEE Working Group definiert. WLAN gehört zur IEEE-Spezifikation der Familie 802.11. Die aktuellen Standards, die heutzutage am meisten verwendet werden, sind 802.11ac (AC-Standard) und 802.11n (N-Standard). Wobei der AC-Standard ausschliesslich im Frequenzbereich von 5 GHz arbeitet und der N-Standard 2.4 GHz und 5 GHz ermöglicht.

Nächster WLAN Standard

Der nächste grosse Standard wird 802.11ax (AX-Standard), der sich aktuell noch im Entwicklungsstadium befindet. Dieser Standard soll zuverlässiger und über eine grössere Reichweite, einen Datendurchsatz von 10 Gbit sicherstellen. Da mit einer einzelnen Antenne mehr Endgeräte parallel kommunizieren können, erlaubt das eine bessere Abdeckung bei sehr vielen Geräten auf kleinem Raum. Zudem soll der Standard sowohl im 2.4 GHz als auch im 5 GHz-Bereich funktionieren. Der neue Standard setzt auf die Antennentechnologie MIMO (Multiple Input, Multiple Output), bei der ein Endgerät gleichzeitig mit mehreren Sendeantennen in Verbindung steht. Durch intelligente Funktionen und durch die schnellere Verbindung wird auch die Batterie der Endgeräte geschont. Insgesamt lassen sich damit neue Anwendungsfälle abbilden, die mit dem bisherigen Standard nicht möglich waren, z.B. Live-Streaming in einem Stadion mit tausenden von Leuten.

Neue Bezeichnungen Wi-Fi 6

Damit die Kommunikation und Verständlichkeit über den Standard besser wird, heisst der neue AX-Standard kurz: Wi-Fi 6. Sein Vorgänger AC-Standard heisst dann Wi-Fi 5 und der N-Standard Wi-Fi 4.

In den nächsten zwei Jahren sollen verschiedenste Endgeräte auf den Markt kommen, die Wi-Fi 6 unterstützen. Dies wird den Ausbau der Infrastruktur auf den neuen Standard sicherlich beflügeln. Bis sich jedoch der neue Standard Wi-Fi 6 grossflächig ausbreiten wird, kann es durchaus noch fünf Jahre dauern, da sich die bestehende Infrastruktur auf dem AC-Standard weiterhin bestens bewährt.

Bei Firmen, die kurz vor einer umfangreichen Erneuerung ihrer WLAN-Infrastruktur stehen, lohnt es sich auf jeden Fall zu prüfen, ob der neue Standard Wi-Fi 6 abgewartet werden kann.

Ist WLAN in Zukunft die richtige Technologie?

Aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet darf die Frage gestellt werden, ob WLAN für eine Vielzahl von heutigen Anwendungen überhaupt noch die richtige Technologie ist. Auslöser dieser Fragestellung ist die Entwicklung im Mobilfunknetzbereich, insbesondere mit der Einführung des neuen Technologiestandards 5G.

Bezüglich Datendurchsatz, Abdeckung, Latenzzeit etc. hat 5G teilweise bessere Eckwerte als der neue Wi-Fi 6-Standard. Im Bereich von öffentlichen Räumen, in Zügen oder auch im privaten Bereich, wo ausschliesslich ein stabiler Internetzugang notwendig ist, wäre dies sehr gut vorstellbar. Da 5G gegenüber dem Vorgänger LTE (4G) noch schlechter durch Mauerwerke oder Glasscheiben geht, ist in den meisten Gebäuden jedoch eine Inhouse-Versorgung notwendig.

Und wie sieht es in der Firmenwelt aus? Braucht es die klassischen Firmennetzwerke im 5G-Zeitalter überhaupt noch? Heute sind diese absolut unerlässlich. Nebst der WLAN-Komponente werden Firmennetzwerke einerseits für die kabelgebundene sowie die interne Kommunikation verwendet und andererseits stellen sie eine wichtige Komponente im Sicherheitskonzept einer Firma dar. Durch Firewall geschützt und in Zonen aufgeteilt ist für die Angreifer ein Eindringen oft eine sehr grosse Hürde. Wenn man bedenkt, dass zukünftige Applikationen immer öfters aus der Public-Cloud genutzt werden und die Systeme nicht zwingend im eigenen Netzwerk betrieben werden, müssen neue Sicherheitsmechanismen zum Tragen kommen. Dies bedeutet, dass sich die Sicherheitsmassnahmen auf die Stufe der Applikationen verschieben und dadurch die klassische Netzwerkarchitektur an Bedeutung verliert. Ein performanter Internetzugang ist dann ausreichend. Dies kann 5G bieten und würde ein Firmennetzwerk überflüssig machen.

Ob diese gewagte These jedoch zutreffen wird, hängt von einer Vielzahl von Entwicklungen ab. Einerseits muss sich der 5G-Standard erst bewähren und andererseits müssen die Systeme und Applikationen der Firmen zuerst auf die neuen Sicherheitsarchitekturen umgebaut werden. All dies wird noch Jahre dauern, und solange wird WLAN die Schlüsseltechnologie für das mobile Arbeiten, Lernen, Konsumieren und Internetsurfen bleiben.

Linkliste:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wireless_Local_Area_Network
https://www.wi-fi.org/news-events/newsroom/wi-fi-alliance-introduces-wi-fi-6
https://www.networkworld.com/article/3238664/80211-wi-fi-standards-and-speeds-explained.html
https://www.security-insider.de/was-ist-wpa3-a-742210/https://de.wikipedia.org/wiki/Next_Generation_Mobile_Networks

Autor: Dominik Hof

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