Digitale Transformation ist unausweichlich


«Are you digital?» stellt sich kaum mehr als Frage. Denn die Digitalisierung ist da und fordert Unternehmen auf vielen Ebenen. Jeder Unternehmer muss sich vielmehr fragen, auf welchem Niveau der Digitalisierung das Unternehmen und seine Mitarbeitenden stehen.

Digitalisierung ist nicht neu. Seit in den 1980er-Jahren der PC in Unternehmen Einzug hielt, hat sich der Grad der Digitalisierung ständig erhöht. Heute betrifft die Digitalisierung das gesamte Unternehmen, was das Thema auch so anspruchsvoll macht.

Gerade in der Schweiz wird das mobile Internet flächendeckend und generations- übergreifend genutzt. Nicht nur die Generation Y ändert ihr Konsumverhalten, sondern der Wandel betrifft alle Kundenund Dialoggruppen. Damit wachsen die Anforderungen an Produkte und Dienstleistung von der Marktseite her. Aber auch in den Unternehmen wollen heute die Mitarbeitenden die neuesten Unternehmenszahlen mit dem Tablet abrufen oder hoffen darauf, dass für sie repetitive Aufgaben durch Automation wegfallen.


Strategien für ein digitales Zeitalter

Das Internetbusiness präsentiert sich mittlerweile immer mehr als Dreiklassengesellschaft: Da sind als Erstes die Onlinehelden, die mit frechen Konzepten, ausgefeilter Technologie und durchdachten Prozessen die Kunden begeistern. Mit ziemlichem Abstand folgen an zweiter Stelle Unternehmen, die den Schritt bereits gewagt haben und mehr oder wenig erfolgreich im Onlinemarkt agieren. Und weit abgeschlagen an dritter Stelle kommen die vielen Unternehmen, die mit einer statischen Website vom Typ 1.0 im Web auftreten, die oft eine reine Selbstdarstellung ohne klare Kundenzentrierung ist. Für Letztere wird es immer schwieriger, den Anschluss zu finden, haben doch die Erfolgsstorys von Zalando, Netflix, Amazon und Co. die Messlatte hoch gesetzt.

Wie gross die Veränderungen durch die Digitalisierung sein werden, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: dem Zeitverlauf (Lunte) und der Einflussstärke (Knall) (siehe Global Disruption Map). Heads! und Deloitte Digital haben diese Korrelation anhand von 17 Branchen-Clustern mit ihren individuellen Szenarien für den digitalen Wandel genauer analysiert. Branchen, denen ein grosser Knall bevorsteht, sollten die digitale Transformation als zentrale Herausforderung betrachten. Im Szenario «Kurze Lunte, grosser Knall», bei Branchen wie Banken oder Versicherungen, besteht somit dringender Handlungsbedarf. In der Kategorie «Lange Lunte, grosser Knall» wird sich der Umbruch in drei bis fünf Jahren ereignen. Und für die anderen Branchen gilt: Jetzt die Zeit nutzen und das Unternehmen auf die zukünftigen Entwicklungen vorbereiten.

Technologie beeinflusst Arbeitsleben
Technologien mit grösstem Einfluss auf die WirtschaftWirft man einen Blick auf die zukünftigen technologischen Entwicklungen und deren Auswirkung für die Wirtschaft (siehe Abbildung), dann zeigt sich, dass das mobile Internet unser Leben weiter stark beeinflussen wird. Aber auch die Automation von Wissensarbeit wird einen starken Einfluss auf unser Arbeitsleben haben. Besonders im Bereich Marketing zeichnet sich ab, dass Kundenansprache und Kampagnenmanagement durch manuelle Prozesse kaum mehr zu bewältigen sind. Hier sind bereits einige Unternehmen daran, Automationslösungen zu implementieren, die es ermöglichen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern repetitive Arbeiten abzunehmen, Klickverhalten zu erkennen und die Kundenbeziehungen zu optimieren, indem sie die Prozesse stetig verbessern.

Die rasante technologische Entwicklung erschwert es selbst digitalen Profis, einzuschätzen, welche Anwendungen einen klaren Beitrag zum Unternehmensziel zu leisten vermögen. Dass viele Geschäftsleitungsmitglieder keinen digitalen Fachhintergrund haben, erschwert es für ein Unternehmen, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

Wie Digitalisierung angehen?
Bewährt hat sich für Unternehmen, zunächst eine Standortbestimmung durchzuführen, so wie dies die Handelskammer beider Basel mit ihren Checkups im Rahmen von «Are you digital?» anbietet. Da es vielfach bereits punktuell digitale Projekte oder Initiativen in Unternehmen gibt, ist es wertvoll, diese zusammenzutragen. Zugleich signalisiert eine unternehmensweite Standortbestimmung, dass man das Thema strukturiert angeht. Dies schafft Vertrauen und schärft das Bewusstsein für die Digitalisierung.

Liegt die Standortbestimmung vor, werden die Digitalisierungsprojekte priorisiert. Je nach Unternehmensausrichtung kann der Schwerpunkt in der Produktentwicklung liegen oder in der Gewinnung neuer Kunden. Versicherungen beispielsweise geben bereits heute bei der Entwicklung neuer Versicherungsangebote vor, dass diese mit einem Klick auf dem Smartphone von Kunden bestellt werden können.

Bei der Digitalisierung im Unternehmen gilt es, verschiedene Bereiche zu beachten. Neben Kunden und Lieferanten gilt elf internen Bereichen beim digitalen FitnessCheck-up ein besonderes Augenmerk: Führung, Organisation, Strategie, Logistik, Industrie 4.0, Businessmodelle, Kanäle, Customer Experience, Kultur, ICT und Innovation. Die Auswertung dieser elf Bereiche gibt eine Übersicht, wie «digital» ein Unternehmen unterwegs ist.

Quelle Text und Bild:
Dieser Artikel von Prof. Martina Dalla Vecchia erschien in der Herbstausgabe von twice, dem Magazin der Handelskammer beider Basel.

Hier gelangen Sie ebenfalls zum kompletten Artikel als pdf.

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