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So Wird Deine Theatererfahrung Aussehen. Links Bin Ich,
Enis Und Rechts Nebenan Ist Agina. Aber Das Hast Du Vermutlich Schon Verstanden.
So Wird Deine Theatererfahrung Aussehen. Links Bin Ich,
Enis Und Rechts Nebenan Ist Agina. Aber Das Hast Du Vermutlich Schon Verstanden.
So wird deine Theatererfahrung aussehen. Links bin ich, Enis und rechts nebenan ist Agina. Aber das hast du vermutlich schon verstanden.
Mädchenzimmer Mit Typischen Mädchenspielsachen
Mädchenzimmer mit typischen Mädchenspielsachen
Von Diesem Hauptraum Kommen Die Leute Zu Uns
Von diesem Hauptraum kommen die Leute zu uns
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Https://stapferhaus.ch/sommer-herbst-2020/
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Wie es ist, ein Penis zu sein

 

Wie es ist, ein Penis zu sein

Blogeintrag über den Besuch der Ausstellung „Geschlecht“ im Stapferhaus, Lenzburg.

Ein Text von Leonie Meyer

Hallo, ich bin Enis. Einer der zwei Hauptcharakteren des Puppenschauspiels in der Ausstellung «Geschlecht» im Stapferhaus Lenzburg. Den ganzen Tag lang spiele ich immer wieder das gleiche Theater. Mit mir nebenan ist Agina, auch sie spielt eine gleich grosse Rolle in dem Theater. Das ist ganz wichtig zu sagen, denn genau um diese Verteilung und Verhältnis geht es in der Ausstellung ausserhalb unseres dunklen Raumes. Die Rolle von dem Mann und der Frau, und die Rollen, welche nicht in dieser Heteronormativität abgebildet werden. Und was ich dabei für eine Rolle spiele, ich als Schauspieler in dieser Ausstellung, ist, dass ich mit den Besuchenden über mich selbst rede. Es ist sozusagen ein biografisches Stück. Ich als Penis erkläre ihnen, wie es sich anfühlt, ein Penis zu sein. Ein Penis von Ihnen, findet ihr nicht auch komisch, dass es so ein Theater überhaupt geben muss? Ich bin ein Teil von jedem Mann, und trotzdem so mit Scham behaftet, dass die AusstellerInnen von dem Stapferhaus das Gefühl hatten, es braucht dieses Theater. Also auf jeden Fall kann man mich und meine Mitschauspielerin aktivieren. Die Besuchenden kommen durch die Tür von dem violetten Hauptraum hinein zu uns ins Dunkle. Der Vorhang geht auf – das ist für mich immer der spannendste Moment. Ich weiss zuvor noch nicht, wer denn wirklich alles das Theater schauen kommt. Es sind oft nicht viele Leute, nur vereinzelt oder in Kleinstgruppen stolpern sie in den ZuschauerInnen-Raum hinein und setzten sich auf die Bänke.
Sie sind alle gespannt, denn die Türe, die zu uns führt, hat einen reisserischen Titel darauf. Mehr kommen nicht hinein, weil immer noch dieses Corona die Ausstellungswelt im Griff hat. Immerhin kommen jetzt einige Leute unser Theater schauen. Zuvor war es traurig, wir haben so gute Sachen mitzuteilen, aber wenn niemand hineinkommen darf, dann können wir sie auch nicht näher bringen zu ihrem eigenen Geschlecht. Nunja – eben, wenn der Vorhang sich öffnet, ist es immer der grosse Moment. Zuerst kichern alle ein bisschen. Es ist eben doch ein Theater über die Scham, und dass ich aussehe wie ein gespiegelter, abstrakter Penis und dass Agina aussieht wie zwei grosse Schamlippen reichen für das erste Gekicher aus. Aber sie versuchen sich schnell zusammenzureissen, die Besuchenden. Sie sind an dieser Ausstellung, weil sie ernsthaft interessiert sind. Viele von ihnen sehen noch ein bisschen traumatisiert aus von dem stereotypischen Kinderzimmer, die von oben bis unten vollgepflastert sind mit den blauen oder pinken Spielutensilien von Kindern. Auch die Besuchenden, die dachten, ihre Kindheit sei nicht in dem klassischen Mädchen-liebt-alles-pink-Schema verlaufen, sind schockiert, weil sie diese pinke Mini-Küche auch in ihrem Kinderzimmer stehen hatte. Oder die Barbie ihr Lieblingsspielzeug hatten. Aber eben, sie kommen schon leicht geprägt zu uns ins Theater, versuchen sich zu fangen und sich selbst zu beweisen, dass sie nicht so fest mit der Scham behaftet sind, wie alle anderen. Ich merke denen immer gleich an, ob das gespielt ist oder nicht. Sie möchten ein bisschen besser sein als die nebenan. Ich glaube, das ist das schweizerische Gen. Auch in der Ausstellung sind sie ambitioniert. Aber spätestens, wenn Agina erklärt, wie sie – also nicht sie als Schauspielerin, sondern sie als Geschlechtsteil – aufgebaut ist, merken die ZuschauerInnen, dass sie sich noch nicht so tiefgründig mit der Thematik des Geschlechts auseinandergesetzt haben. Es ist auch schockierend: wusstest du, dass noch heute in den Lehrbüchern die Vagina nicht wirklich gezeichnet wird? Es ist einfach ein leeres Dreieck. Als wäre dort nichts. Denk mal darüber nach, was du denn in der Schule gelernt hast. Als ich noch zur Schule ging, lernte ich sogar, dass die Vagina einfach eine verkümmerte Version meiner selbst ist. Sozusagen ein verkrüppelter Penis. Ich habe es da viel besser. Mich erforscht man schon länger. Ich schaffe es auch regelmässig als eine Zeichnung in die Toiletten der Stadt. Klar hätte ich es lieber, wenn man einmal eine akkurate Darstellung von mir im Louvre hängen sehen würde. Aber ich glaube, das geht noch eine Weile, bis die Leute uns als so fest salonfähig erachten. Stellt euch das mal vor: Menschen gehen in ein Museum, um uns zu betrachten, anstelle von übertrieben perfekten Darstellungen von uns in schmuddeligen Pornos zu begaffen. Ach, das wäre schön.
Dass dieses unterschiedliche Lehren über die Geschlechtsteile auch ganz grundlegende Geschlechter-Hierarchien befürwortet, ist auch klar. Unser Theater legt dafür einen klaren Fokus, wir informieren und erklären den Besuchenden, was sie alles eigentlich schon längst wissen sollten. Dafür fangen wir bei Adam und Eva an. Vor dieser Geschichte wurden wir nicht immer abgedeckt und versteckt. Ob ich es noch erlebe, dass ich schamfrei umhergezeigt werde? Es ist schon paradox, alle sind irgendwie stolz auf mich und verstecken mich dann trotzdem immer.
Es ist uns noch nie passiert, dass jemand frühzeitig aus unserem Theater hinausgelaufen ist. Klar fanden uns einige peinlich und kindisch. Aber ich weiss, dass dies ihr Schutzmechanismus ist und gar nicht persönlich gemeint ist. Es zeigt einfach noch mal klar, dass wir immer noch mit der Scham behaftet sind. Schambehaarung, Schambereich, Schamlippen – hört endlich auf, uns so zu nennen. Ich bin für euch extrem wichtig. Wenn ihr mich und Agina so peinlich findet, dann guckt mal in 80 Jahren, was von euch übrig bleibt – ohne uns. Ich hoffe, dass dieses Theater nicht für nichts war.
Im Allgemeinen empfehle ich euch, einmal in diese Ausstellung zu gehen. Ich bin grösstenteils hinter dem Vorhang, aber habe schon viel Gutes über den Rest gehört. Es ist angeblich eine andere Art der Ausstellung, von der Thematik hergeleitet und sehr interaktiv. Ihr müsst nicht einfach stumm von einem Exponat zum nächsten wechseln, sondern könnt euch frei in der Ausstellung bewegen und selbst mitmachen.
Ausser bei uns im Raum. Da müsst ihr einfach 5 min stillsitzen und endlich mal uns zuhören, was wir zu sagen haben.

 

 

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