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Abb. 2: Die Pendel Verweisen Auf Die Fünf Aspekte Des Klimaschonenden Bauens.
Abb. 2: Die Pendel Verweisen Auf Die Fünf Aspekte Des Klimaschonenden Bauens.
Abb. 2: Die Pendel verweisen auf die fünf Aspekte des klimaschonenden Bauens.
Abb. 1: Die Bergkapelle In Kenlbruck (AT) Erhielt Von Der Jury Eine Anerkennung.
Abb. 1: Die Bergkapelle in Kenlbruck (AT) erhielt von der Jury eine Anerkennung.
Abb. 3: Der Vordere Teil Des Ausstellungsraums Mit Den Klima-Schildern.
Abb. 3: Der vordere Teil des Ausstellungsraums mit den Klima-Schildern.
Abb. 2: Die Pendel Verweisen Auf Die Fünf Aspekte Des Klimaschonenden Bauens. Abb. 1: Die Bergkapelle In Kenlbruck (AT) Erhielt Von Der Jury Eine Anerkennung. Abb. 3: Der Vordere Teil Des Ausstellungsraums Mit Den Klima-Schildern.

Gelbe Innovation?

 Gelbe Innovation?

Ein Text von Ona Lia Bischoff

Constructive Alps: Bauen für das Klima – Eine Ausstellung im Alpinen Museum Bern (02. März bis 08. August 2021)

Die Ausstellung im Alpinen Museum ist ein Jubiläum des Architekturwettbewerbes Constructive Alps. Die internationale Jury zeichnet bereits seit zehn Jahren Neubauten und Sanierungen als Beispiele für ein klimabewusstes Bauen in den Alpen aus. Projekte im ganzen Alpenraum werden angeschaut: Von Ljubljana bis Nizza. Aus den eingereichten Projekten werden drei Preisträger:innen, sieben Anerkennungen und ein Publikumsfavorit ausgewählt. Die Projekte werden in einem Katalog gesammelt und in einer Wanderausstellung gezeigt, die am 6. November 2020 im Alpinen Museum in Bern eröffnet wurde.¹

Den Ausstellungsprospekt in der Hand, lese ich bereits vor Eintritt ins Museum über innovative Materialien wie Holz, Stein oder Lehm, sehe hochästhetische, zeitgenössische Gebäude, die auf vielfältige Weise zum Klimaschutz beitragen. Ich bin gespannt.

Um in den Raum Biwak zu gelangen, in dem die Ausstellung Constructive Alps: Bauen für das Klima ausgestellt ist, wird der Besuchende angeleitet, am Restaurant vorbei und durch den Shop hindurch zu gehen. Am Ende eines kurzen, mit Fenstern bestückten Ganges öffnet sich die Wand in einem grossen, abgerundeten Rechteck. Ein knallgelber Boden, der sich etwa 10 Zentimeter in die Vertikale hochzieht, schlägt einem entgegen. Der erste Eindruck: Uff, ist das vollgestellt hier! Im vorderen Teil des Raumes stehen etwa zwei Dutzend Pappkartonschilder, befestigt an langen dünnen Besenstiehlen und in gelöcherten Betonklötzen verankert. Darauf aufgemalt sind – im Stile der Klimajugend – Slogans wie «Stop denying, earth is dying.» oder »March now or swim later». Alles ist freistehend in dieser Ausstellung, an den Seitenwänden ist nichts angebracht. Im mittleren Teil des Raumes werden die fünf Hauptaspekte klimaschonender Architektur mittels von der Decke hängenden, auf Wellkarton aufgezogenen Schildern thematisiert. An den Hinterseiten der Schilder führt ein metallenes Pendel bis fast auf den Boden und verweist auf den dort niedergeschriebenen Aspekt. Diese Art des Ausstellens führt dazu, dass man in Bewegung ist, um die Exponate herumgeht, aber durch die freie Hängung ständig im Lesefluss der beschriebenen Plakate gestört wird.

Der Hoch- und Tiefbau, allgemein der Gebäudesektor, ist für ein Viertel unserer Emissionen verantwortlich. Innovative Lösungen zur Reduktion der Treibhausgase in der Atmosphäre sind dringender denn je.² Die fünf Aspekte klimaschonender Architektur werden in der Ausstellung gezeigt und mit Beispielen ergänzt: Natürliche Materialien, Dauerhaftigkeit, positive Energiebilanz, Genügsamkeit und Sorgfalt im Umgang mit der Landschaft. Die Absicht der Ausstellung ist es, sowohl Bauherr:innen, Architekt:innen, als auch die Bewohner:innen von Häusern anzusprechen. Es betrifft uns alle. Die Message ist klar: Tue Gutes und sprich aber auch darüber! Der Wettbewerb versammelt gute Beispiele, zeigt auf, wie es gehen könnte und ermuntert damit, es den Vorreiter:innen gleichzutun.³

Das Thema ist spannend, topaktuell und substantiell wichtig, wenn in der baulichen Zukunft der Schweiz etwas verändert werden soll. Die Umsetzung der Ausstellungsgestalter:innen ist für mich jedoch eher fragwürdig. Nach einer halben Stunde sind alle Texte im Raum gelesen, die Plakate von allen Seiten umrundet und sämtliche Knöpfe der interaktiven iPads gedrückt. Ein wenig enttäuscht verlasse ich den Raum, trete über die gelbe Fläche wieder auf das entspannende Schwarz des Museumsladens. Warum man die Besucher:in mit einer derart knalligen Bodenfläche zu bezirrzen versucht, bleibt mir bis zum Schluss ein Mysterium. Der Prospekt, den ich mir zu Beginn angeschaut habe, zeigt etwas völlig Anderes, als die willkürlich anmutende Anordnung und Gestaltung der Ausstellung im Alpinen Museum.

 

27. April 2021, Institut Innenarchitektur und Szenografie, HGK Basel


1 vgl. Gantenbein, S. 39.
2 vgl. Keller
3 vgl. Conradin

Quellenverzeichnis:
Gantenbein Köbi: Gewicht des Berges, Lust am Holz, in: Magazin Hochparterre Nr. 11 (2020), S. 38-45.
Keller, Barbara: Einblick in die Ausstellung. Constructive Alps 2020. Bauen für das Klima, <https://www.alpinesmuseum.ch/de/ausstellungen/biwak> (24.02.2021).
Conradin, Katharina: Gespräch mit Katharina Conradin. Constructive Alps 2020. Bauen für das Klima, <https://www.alpinesmuseum.ch/de/ausstellungen/biwak> (24.02.2021).
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1: Schnabel, Albrecht <https://www.constructivealps.net/bergkapelle/> (24.02.2021).
Abb. 2: Bischoff, Ona Lia, Fotodokumentation Alpines Museum, 18.04.21.
Abb. 3: Bischoff Ona Lia, Fotodoukumentation Alpines Museum, 18.04.21.

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