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La Congiunta – Heim für Skulpturen und Reliefs

Ein Text von Tabea Eisenring

Fondazione La Congiunta

Leise erinnere ich mich an das kahle und kühle Gebäude, das ich als fünf Jahre altes Mädchen, zusammen mit meiner Familie auf dem Weg nach Italien, besucht hatte. Erinnerungen an eine skurrile Kirche in der Erscheinung eines Bunkers, die Kunstwerke in sich birgt.
Die Stiftung Congiunta ist ein aussergewöhnlicher Fall eines Ausstellungsraums. Im Leventinatal am Tessinfluss, auf einer Wiese nahe des Dorfes Giornico, liegt der monolithische Sichtbetonbau. Das Gebäude wurde zwischen 1989 und 1992 vom Architekten Peter Märkli entworfen und errichtet, um einen Teil der Arbeiten des Plastikers Hans Josephsohns der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. La Congiunta ist kein Museum, sondern ein Versuch zur Kunst. Sie reflektiert die gegenseitige Bedingung und Beziehung von Plastik und Architektur.
An einem Donnerstagmorgen in Basel greife ich zum Telefon und wähle die Nummer des tessinischen Ristorante Giornico. Der freundliche Herr am anderen Ende gibt mir die Auskunft, dass ich jeder Zeit vorbeikommen könne, um die Schlüssel der Stiftung abzuholen.
Drei Stunden später stehe ich mit ebendiesem Schlüssel in der Hand alleine vor der metallenen Eingangstür der La Congiunta. Ein Gefühl des Vertrauens, das mir als Fremder entgegengebracht wird, überkommt mich. Ich schliesse die Tür auf und stehe im ersten der drei Räume des Inneren – bin überwältigt. Die zurückhaltenden grauen, fleckigen Betonwände halten den Raum für die Bronzereliefs und -skulpturen. Sie stehen mit ihnen gleichermassen im Austausch, wie beide Disziplinen für sich alleinstehen.
La Congiunta strahlt eine aussergewöhnliche Atmosphäre aus. Die leisen Erinnerungen an die kraftvolle Wirkung des Ortes werden zu lauten Eindrücken, faszinieren mich, 16 Jahre später umso mehr. Dass das Gebäude ausdrücklich zur Beherbergung der Skulpturen und Reliefs Josephsohns gebaut wurde, gibt mir das Gefühl, ich würde in deren Heim eintreten. Somit werde ich zur Fremden, zum Eindringling. Und doch habe ich den Schlüssel zu ihrem Heim, was mich in irgendeiner Weise auch zugehörig macht. Ich habe die offizielle Berechtigung, alleine im Inneren zu verweilen. Ich bin ungestört und doch könnte jeden Moment jemand anderes eintreten. Da ist keine Aufsichtsperson, die mich auf Regeln und Informationen aufmerksam macht – ich bin auf mich selbst gestellt, in meiner Art zu denken und meiner Weise zu handeln.
La Congiunta hält sich nicht an Normen, die ein Museum grundsätzlich vertritt, sondern erscheint mir unabhängig und eigenständig. Sie ist nicht angewiesen auf Besucher*innen oder Gäste, sondern scheint primär Herberge und Heimat für die Skulpturen Hans Josephsohns zu sein.

Literaturverzeichnis
• Mayr Fingerle, Christoph (Hrsg.): Neues Bauen in den Alpen. Architekturpreis 1995, Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser 1996, S. 18-27.

Abbildungsverzeichnis
• Abb.1: Eingangssituation
• Abb.2: Wegraum mit linksseitig gehängten Bronzereliefs
• Abb.3: dritter Raum mit Bronzegussskulpturen, Bronzereliefs und seitlichen Kabinettdurchgängen
• Abb.4: eines der vier Kabinette

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