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Die Vitrinenschau

Die Vitrinenschau

Ein Text von Tobias Maurer

Ein Einblick in die Dauerausstellung,
Basler Spielzeug Welten Museum

Ich fühle mich eingeschlossen. Eingeschlossen in einer Glasblase gefüllt mit Kindheitserinnerungen. Umschlossen und eingepackt zwischen Wänden aus Glas.
Vollbepackte Glasvitrinen sind die raumbildenden Elemente des Baslers Spielzeug Welten Museums. Die Dauerausstellung des am Barfüsserplatz gelegenen Museums zeigt allerhand Spielzeuge aus den vergangenen Jahren. Fokussiert ist die Ausstellung jedoch auf Teddybären. Es gibt ausser ein paar wenigen Stühlen keine anderen Elemente, die direkt im Raum stehen. Wie die hohen und eckig geschnittenen Hecken eines Labyrinthes führen die Vitrinen durch die Ausstellungsräume. Die entstandenen Wege erinnern dabei tatsächlich an die Gänge eines verzweigten Labyrinthes. Man geht gerade aus, nimmt den Weg nach links und weiss nicht mehr wo genau sich der Ausgang befindet. Durch die immense Glaswanddichte verliert sich der eigene Blick von Innen und Aussen, von Raum und Zwischenraum. Je tiefer man in den Vitrinenzoo eintaucht, je mehr entsteht das Gefühl, sich selbst zwischen den Gläsern in einem Glaskasten zu befinden. Man fühlt sich ausgestellt und inszeniert. Beobachtet wird man dabei von tausenden lethargisch gaffenden Plastikaugenpaaren. Die raumhohe Glasvitrine scheint das liebste Kind des Szenografen gewesen zu sein. Alle Ausstellungsexponate jedoch hinter Glas zu packen erschwert den Dialog zwischen Besucher und den Spielzeugen. Gerade so emotionale und taktile Güter wirken in ihrer vakuumierten Isoliertheit zu sehr distanziert um ein lebendiges Erlebnis zu schaffen. So sind die Spielzeuge zwar innerhalb der Vitrine üppig staffiert, durch die Scheiben jedoch in den Mutismus getrieben. Wie die Teddybären mit Watte gestopft sind, so sind die Vitrinen mit Teddybären gestopft. Durch die verschiedenen szenischen Inszenierungen in den Vitrinen wurde versucht eine gewisse Dynamik zwischen den einzelnen Objekten herbeizuführen. Doch wirken sie durch die Wände mehr eingesperrt und bedrängt – in einem Gefängnis mit transparenten Wänden. Durch die optische Abgrenzung geht jede Menge Fantasie verloren und es entstand bei mir bedrückende Distanz zwischen Besucher und Exponat. Es fühlt sich an wie ein Aquarium ohne Aqua oder ein Terrarium ohne Terra. Den Teddies fehlt es in ihrem Teddyarium an menschlichem Kontakt und Zuneigung – und wie man aus der Kindheit weiss, ist das das Bedürfnis Nummer eins eines jeden Teddybären.

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