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Migros Museum für Gegenwartskunst

Ein Text von Julia Büchel

Wandabschnitte, Betonboden, angeschnittene Säulen, Deckendetails, Treppenabsätze, Steckdosen im Boden versenkt, verschwommene, da schnell und versteckt geschossene Bilder. Die Beispiele könnten noch weiter gehen, stehen sie für den studentischen Versuch eine ihnen gestellte Aufgabe durchzuführen und mittels Beobachtung und Erfahrung der Ausstellung eine Analyse einer Ausstellung vorzunehmen. Eine Aufgabe, die sich als gar nicht so einfach herausstellte. Denn das Verbot, die Ausstellung bildlich festzuhalten, hinderte die Studierenden daran, die Aufgabe aus szenografischer Sicht anzugehen, was bedeutet hätte, sich die Präsentationsart, das Mobiliar, die Medien- und Kommunikationsart genauer zu betrachten, zu analysieren und den Mitstudierenden mittels Bildmaterial zu präsentierenund so das Gesehene udn Erlebte zu veranschaulichen und festzuhalten. Die Studierenden wiederum haben aus der Not eine Tugend gemacht und sich einen kleveren Schachzug überlegt. Entstanden ist daraus eine schöne Sammlung an Details, die den Besucherblick weg von der Ausstellung und den Objekten und hin zur Beschaffenheit des Raumes lenken.

Dennoch zeigt dieses Beispiel eindrücklich ein noch heute gängiges Verständnis vieler Institutionen auf: die Besuchenden sind noch immer Betrachter der Kunst auch noch im Zeitalter der Reproduzierbarkeit und der Möglichkeit jederzeit und von überall auf das genau in diesem Raum ausgestellte Werk über Google und Co. zuzugreifen. Das vieldiskutierte Machtverhältnis, die Frage nach der Involvierung des Publikums, der Öffnung der Institutionen manifestiert sich und gipfelt in genau diesem Verbot und zeigt: anzusetzen wäre erst einmal bei einem Selbstverständnis der Institutionen, welche es – ausser aus konservatorisch heiklen Gründen – heute nicht mehr nötig haben, ein Verbot für Fotografie in den Räumen aufrechtzuerhalten. Denn : “The time is right for museums to transform their contribution to contemporary life,“[1] so Jane Nielsen. Ein Museum, das sich der Gegenwartskunst verschrieben hat, sollte vielleicht auch den Umgang mit dem Publikum gegenwärtiger gestalten und zumindest ein Verbot aufheben, welches in der heutigen Zeit wirklich nicht mehr als « gegenwärtig » erscheint.

 

[1] Museum Change Lives (2013), (zit. nach Nielson (2014), S. 250).

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