Alumni APS FHNW Mai 2017 Lab Über 100 Unternehmen engagieren sich für die Work Smart Initiative
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Über 100 Unternehmen engagieren sich für die Work Smart Initiative

erstellt von alumni-fhnw-psychologie_admin zuletzt verändert: 09.05.2017 15:23

Wie organisieren sich die über 100 Unternehmen der Work Smart Initiative, welche sich die Gestaltung mobil-flexibler Zusammenarbeit auf die Fahne geschrieben haben? Dazu berichtet Anne Maigatter, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, vom letzten Charta-Treffen der Work Smart Initiative und gibt einen Ausblick, was wir 2017 rund um Work Smart erwarten dürfen.

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Interview

mit Anne Maigatter, Mitglied des Gestaltungs- und Innovationsfeldes „Gestaltung flexibler Arbeit (geführt von Milena Rutz, wissenschaftliche Mitarbeiterin) 


 

 

 

 

MR: Am 10. März fand ein Treffen im Rahmen der Work Smart Initiative statt, worum geht es genau bei der Initiative?

AM: Die Work Smart Initiative ist ein Verein, welcher unter dem Begriff Work Smart vor allem mobil-flexible Zusammenarbeit oder anders ausgedrückt örtlich mobile und zeitlich flexible Arbeit versteht. Hinter der Initiative stehen als Kernteam fünf Schweizer Unternehmen (die Mobiliar, die Post, SBB, Swisscom, Witzig), die sich die Gestaltung mobil-flexibler Arbeitsformen auf die Fahne geschrieben und aus dem Grund diesen Verein ins Leben gerufen haben. Beim Treffen war das Kernteam, das erweiterte Netzwerk und das Patronat vertreten. Wir als Hochschule für Angewandte Psychologie der FHNW sind Teil des Patronats, das bedeutet, wir geben wissenschaftliche Inputs und begleiten Studien zu Fragestellungen rund um Work Smart. Im Netzwerk sind Unternehmen vertreten, die sich aus unterschiedlichen Motiven mit mobil-flexibler Zusammenarbeit beschäftigen und diese selber auch umsetzen. Beim Treffen ging es dann vor allem um die thematische Ausgestaltung der Initiative in 2017.

MR: Kannst du uns schon etwas verraten, was wir 2017 von der Work Smart Initiative erwarten können?

AM: Ja, da plaudere ich gerne etwas aus dem Nähkästchen: vom 13.-19. Mai 2017 findet die Work Smart Week statt, an der verschiedenste Veranstaltungen rund um das Thema Work Smart angeboten werden. Themenschwerpunkt ist Gesundheit und Work Smart – das bedeutet, vieles wird sich um die Fragestellung drehen: Was sind gesundheitskritische Themen rund um mobil-flexible Zusammenarbeit?

MR: Hängt das thematisch eng mit den Herausforderungen zusammen, die eine mobil-flexible Arbeitsform mit sich bringen kann?

AM: Das ist so. Dadurch, dass heutzutage viele Mitarbeitende dank neuer Technologien und Internetzugang von fast überall arbeiten können, verstärkt sich beispielweise die Verschmelzung zwischen Beruflichem und Privatem. Für gewisse Personen stellt dies keine Herausforderung dar, andere möchten diese Bereiche strikt trennen. Da muss man sich und die eigenen Bedürfnisse hinterfragen, um herauszufinden, welchem Typ man entspricht. Auch Führungskräfte sind gefordert, die Arbeitsbedingungen und die entsprechenden Bedürfnisse zu thematisieren und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

MR: Finden regelmässig solche Treffen der Work Smart Initiative statt?

Das Kernteam und das erweiterte Netzwerk tauschen sich sehr regelmässig aus. Es ist so, dass jeweils ein Unternehmen aus dem Kernteam den Lead für diese Events übernimmt. Das Patronat, zu dem auch wir gehören, wird seltener konsultiert. Weiter gibt es noch die Charta, die aktuell von 102 Unternehmen und Organisationen unterzeichnet wurde, womit sich diese zu Work Smart bekennen. Ein weiteres Ziel für 2017 ist es auch, diese Zahl zu erhöhen.

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MR: Wie wird Work Smart in den Charta-Unternehmen gelebt?

Da findet man ein sehr breites Spektrum: es gibt Unternehmen, die befinden sich, wenn man sich das FlexWork Phasenmodell anschaut, in Phase 2, was bedeutet, dass Arbeit an mehr als einem Ort eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Andere Unternehmen haben einen grösseren Umzug hinter sich und wagen sich nun an neue Büroraumkonzepte. Es ist zur Zeit viel im Umbruch. Andere Unternehmen sind schon weiter und experimentieren aktiv mit unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit.

MR: In welcher Rolle unterstützt die Work Smart Initiative die beteiligten Unternehmen dabei, mobil-flexible Zusammenarbeit zu implementieren?

AM: Die WSI sieht sich vor allem als Plattform, welche Informationen bereitstellt, Studien in Auftrag gibt und die beteiligten Unternehmen zur Vernetzung anregt.

 MR: Existieren von Seiten der FHNW bzw. Hochschule für Angewandte Psychologie ebenfalls Unterstützungsangebote?

AM: Aufgrund der hohen Nachfrage und Verwendung des FlexWork Phasenmodells  haben wir entschieden, dieses Jahr kostenlose Workshops anzubieten, um einen Input zu geben, wie das Phasenmodell im Detail zu verstehen ist und wie es sich in den Kontext neuer Arbeitsformen (wie zum Beispiel agile Zusammenarbeit oder auch Holacracy) verordnet. Gleichzeitig soll auch der Dialog und die Vernetzung zwischen den Unternehmen angeregt werden, gerade vor dem Hintergrund ein gemeinsames Lernen von- und miteinander zu ermöglichen. Darüber hinaus bieten wir auch eine Vertiefung in Form eines neuen Weiterbildungsstudiengangs zu Work Smart Management an, welcher im Mai 2017 startet.

MR: Wie siehst du die Zukunft der Arbeit: Welche Fragestellungen gewinnen an Bedeutung?

AM: Ich beobachte, dass die Kritik an Strukturen, die noch aus der Industrialisierung stammen, immer lauter wird. Braucht es wirklich hierarchische Entscheidungsstrukturen, welche mit vielen Risiken verbunden sind, da die Verantwortungsträger weit vom Kerngeschäft entfern sind? Letztendlich führt es dazu, dass sich immer mehr Teams oder Abteilungen selbst organisieren, weil man merkt, dass es Bedingungen braucht, welche es langfristig erlauben, sich flexibel an sich stetig verändernde Bedingungen anpassen zu können.

MR: Das bedeutet, Work Smart hat auch viel mit Mut zum Experimentieren zu tun?

AM: Definitiv! Wenn man sich für eine mobil-flexible Zusammenarbeit entscheidet, gibt es keine Patentlösung. Vielmehr ist es wichtig zu schauen, welche Bedingungen wir im Unternehmen haben und wie wir die mobil-flexible Zusammenarbeit für uns umsetzen. So kann es beispielsweise sein, dass ein Unternehmen ein neues Büroraumkonzept mit unterschiedlichen Nutzungszonen entwickelt, Home Office jedoch kategorisch ablehnt, da es nicht zur Unternehmenskultur passt.

MR: Stehen durch Work Smart auch kulturelle Fragestellungen vermehrt im Zentrum?

AM: Ja, gerade Vertrauen kann ein grosses Thema sein, wenn man z.B. die anderen Mitarbeitenden in der standortverteilten Zusammenarbeit nicht direkt sehen kann. Auch die informelle Kommunikation gewinnt an Bedeutung, unter anderem um den Zusammenhalt im Team zu stärken.

MR: Rückblickend: Was war dein persönliches Highlight am Work Smart Treffen?

AM: Bei der Check-in Runde durfte ich von unserem Whitepaper zu den Führungsherausforderungen im mobil-flexiblen Arbeitskontext und dem neuen CAS Work Smart Management – Führungswissen & Praxis mobil-flexibler Zusammenarbeit berichten und beides ist auf grosses Interesse bei unterschiedlichen Stakeholdern gestossen. Das macht Freude!

MR: Welches Zielpublikum spricht der CAS an?

AM: Das ist breit gefächert, da es sich bei Work Smart um eine Schnittstellenthematik handelt. Von IT bis Immobilienwirtschaft, Architektur und Facility Management bis HR werden Projektleitende  angesprochen, die sich aktuell oder zukünftig zu der Thematik engagieren: Wie können Mitarbeitende trotz verschiedener Arbeitsorte und -zeiten zielorientiert und produktiv – also smart – zusammenarbeiten? Für diese Fragestellung wollen wir mit psychologisch fundierten Konzepten und Instrumenten sowie Erfahrungswissen aus der Praxis befähigen, sich selbst und andere im Unternehmen zu mobil-flexibler Arbeit zu befähigen. Zum Beispiel im Rahmen eines Umzugsprojektes in neue Büroräume, der Entwicklung einer neuen Policy zur Arbeitszeitregelung, der Stärkung des Employer Branding oder moderner Führungskräfteentwicklung. Dort sehen wir die Rolle der Psychologie, den Menschen eine produktive und gesunde Form der Arbeit zu ermöglichen. Und da setzt auch meine Motivation an, nämlich herauszufinden, in welche Richtungen sich unterschiedliche Unternehmen in Bezug auf mobil-flexible Arbeit entwickeln und welche Wege sie für sich finden und beschreiten.

 

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