Alumni APS FHNW April 2016 Alma Interview mit Anne Herrmann zur neuen Studienrichtung Wirtschaftspsychologie
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Interview mit Anne Herrmann zur neuen Studienrichtung Wirtschaftspsychologie

erstellt von alumni-fhnw-psychologie_admin zuletzt verändert: 22.04.2016 16:21

Bereits seit vielen Jahren bietet die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW erfolgreich den Bachelor Angewandte Psychologie mit der Studienrichtung Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie an. Ab dem Herbstsemester 2016 erweitert die Hochschule ihr Angebot: Nun können Studierende auch die Studienrichtung Wirtschaftspsychologie wählen.

Mit der Studienrichtung Wirtschaftspsychologie wird die psychologische Sicht auf das Wirtschaftsleben erweitert. Im Fokus der Wirtschaftspsychologie stehen die Konsum- und Finanztätigkeiten von Individuen, Gruppen und Unternehmen auf Märkten. Wie Menschen Konsumentscheidungen treffen, wie durch Werbung Präferenzen beeinflusst werden und welche Faktoren sich auf das Sparverhalten auswirken, sind nur einige der spannenden Fragen, mit denen sich die Wirtschaftspsychologie beschäftigt. Das Themengebiet wird an der Hochschule von Dr. Anne Herrmann, Dipl.-Wirtschaftspsychologin (FH), vertreten.

 

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Warum bietet die Hochschule Angewandte Psychologie FHNW neu die Studienrichtung Wirtschaftspsychologie an?

Anne Herrmann: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Psychologie nicht nur bei der Arbeitsgestaltung und der Personalauswahl eine grosse Rolle spielt. Gerade innovative und visionäre Unternehmen nutzen vermehrt psychologische Erkenntnisse, um wettbewerbsfähige Angebote in einem sich ständig verändernden Markt zu entwickeln. Sie setzen dazu Konzepte aus den Bereichen consumer behavior, behavioral finance oder behavioral economics ein. Diese Expertise wird in der Produktentwicklung und anderen Marketingbereichen benötigt, um Angebote zu entwickeln, die den Bedürfnissen der immer anspruchsvoller werdenden Konsumentinnen und Konsumenten entsprechen. Solche Unternehmen haben in diesen Unternehmensbereichen einen wachsenden Bedarf an Wirtschaftspsychologinnen und Wirtschaftspsychologen, die ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse und Entscheidungsprozesse von Konsumentinnen und Konsumenten mitbringen. Diese Nachfrage an entsprechend qualifizierten Absolventinnen und Absolventen bedienen wir mit unserem neuen Angebot. Dazu bieten wir ein in der Schweizer Fachhochschullandschaft einmaliges Angebot.

Dass wir ein attraktives Angebot entwickelt haben, zeigt auch das grosse Interesse potentieller Studierender an der Studienrichtung Wirtschaftspsychologie. Für den Start im Herbstsemester 2016 war die Studienrichtung mit 40 Studienplätzen innert kürzester Zeit ausgebucht. Und für das Herbstsemester 2017 haben wir auch schon erste Anmeldungen.

 

Was sind die Gemeinsamkeiten beider Studienrichtungen? Und worin unterscheiden sie sich?

Beide Studienrichtungen werden im Rahmen des Bachelors Angewandte Psychologie angeboten. Damit ergeben sich grundlegende Gemeinsamkeiten, denn in beiden Studienrichtungen wird angewandte Psychologie im Wirtschaftsleben vermittelt. Studierende beider Studienrichtungen belegen daher gemeinsam Module, in denen ihnen psychologische Grundlagen und umfassende methodische Kenntnisse vermittelt werden.

In den Anwendungsmodulen ergeben sich dann Unterschiede: Die Studierenden der Studienrichtung Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie beschäftigen sich mit dem Menschen als Arbeitnehmenden. Es geht darum, die Passung zwischen dem Individuum und dem Arbeitsplatz, Organisationsumfeld sowie den technologischen Rahmenbedingungen optimal zu gestalten.

Die Studierenden der Studienrichtung Wirtschaftspsychologie beschäftigen sich mit dem Menschen in verschiedenen Rollen im Wirtschaftsleben, und zwar als Konsumentin bzw. Konsument, Sparerin bzw. Sparer, Versicherungsnehmerin bzw. Versicherungsnehmer. Die Studienrichtung ist die richtige Wahl für alle, die die Bedürfnisse, Einstellungen und Entscheidungsprozesse von Konsumentinnen und Konsumenten verstehen möchten. Und für die, die an der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen mitwirken wollen, die sich an den Bedürfnissen von Konsumentinnen und Konsumenten ausrichten.

 

Was ist Ihnen bei der Vermittlung von wirtschaftspsychologischem Wissen besonders wichtig?

Wichtig ist mir, dass die Studierenden den Mehrwert des wirtschaftspsychologischen Wissens bereits im Unterricht erleben können. Und dieses Wissen dann später in ihre Tätigkeit im Unternehmen einbringen können. Deshalb ist die Lehre ganz explizit praxisorientiert. Ein Beispiel dafür ist die Prospect Theory von Tversky und Kahneman, die menschliches Entscheiden erklärt: Ich vermittle nicht nur die Prinzipien, sondern ich zeige auf, wie man nicht rein rationales Handeln im Wirtschaftsleben anhand der Theorie erklären kann. So erklärt die Theorie zum Beispiel, warum Menschen Versicherungsverträge abschliessen und warum es sich für Firmen lohnt, "Geld-zurück-Garantien" anzubieten. Und wieso Geschäfte von der Kreditkartenindustrie dazu bewegt wurden, einen Nachlass auf Barzahlungen zu gewähren statt einen Aufpreis für Zahlungen mit der Kreditkarte zu verlangen.

 

Auf welche Tätigkeitsfelder werden die zukünftigen Wirtschaftspsychologinnen und Wirtschaftspsychologen im Bachelorstudium vorbereitet?

Für sie eröffnen sich vielfältige berufliche Möglichkeiten. Ein typisches Tätigkeitsfeld für Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen ist die unternehmensinterne und -externe Markt- und Meinungsforschung. Hier können sie ihre Methodenkenntnisse, gepaart mit wirtschaftlichem Sachverstand, bestens einbringen. Darüber hinaus können sie in der Werbung und im Marketing, aber auch in der Produktentwicklung tätig werden. Auch eine Anstellung in der Unternehmenskommunikation, zum Beispiel im Bereich PR und der Corporate Social Responsibility ist ebenfalls denkbar. Zunehmend findet man Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen auch in Beratungsfirmen, die sich ganz explizit der Nutzung psychologischer Erkenntnisse im Wirtschaftsleben verschrieben haben.

 

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